Veröffentlicht am Samstag 01. Januar 2022
Champagner lagern
Wenn man an das Lagern von Wein denkt, erscheint vor dem inneren Auge Rotwein: Bordeaux, Barolo, etc. Weißwein kommt erst an zweiter Stelle. Sehr guter Riesling, Grüner Veltliner oder Weißweine aus dem Burgund lagern gut. Doch Champagner? An Champagner denkt man eher nicht. Doch auch Champagner kann ein großer Wein sein, der mit dem Lagern gewinnt.
Was bedeutet Champagner zu lagern?
Man kann zwischen Aufbewahren und Lagern unterscheiden. Wenn man Champagner kauft und ihn in den nächsten Wochen und Monaten, bis ca. 1 Jahr, mit Genuss und Freude trinkt, spricht man vom Aufbewahren. Der Champagner wird sich in dieser recht kurzen Zeit nicht wesentlich verändern, sofern er gut aufbewahrt bzw. gelagert wird (siehe unten). Wenn man dagegen Champagner kauft, um ihn reifen und sich verändern zu lassen, dann spricht man vom Lagern. Der Zeitraum kann sich über zwei bis drei, fünf, manchmal auch zehn und sehr selten über mehr als zehn Jahre erstrecken.
Was passiert beim Lagern von Champagner?
Wenn Champagner bei guten Bedingungen lagert, verändert er sich mit der Zeit. Die Mousse (die Kohlensäure, die man im Mund spürt) wird weicher und die Säure runder. Im Aromen entstehen zusätzlich Tertiäraromen. Das sind positive Aromen, welche durch Oxidation entstehen. Sie erinnern an reifen oder getrockneten Apfel, getrocknete rote Beeren und Blüten, kandierte Zitrusfrüchte, Kaffee, Mokka und Karamell - später auch an Laub, Waldboden und Pilze. In Kombination mit noch verbleibenden frischeren Nuancen und Aromen aus der Autolyse (Zersetzen der Hefe in der Flasche vor dem Degorgieren: Gebäck, Biskuit, Brioche, Nüsse, etc.), kann eine großartige, betörende Duftkomposition entstehen.
Welche Champagner können gelagert werden?
Champagner der gelagert werden kann, braucht erst mal Substanz. D. h., er braucht eine höhere Aromenintensität, geschmackliche Konzentration und eine lange Länge im Abgang. Er braucht weiterhin viel Frische in Form von Säure. Denn Säure ist ein sehr guter Konservierungsstoff. Alles in allem muss der Champagner dann noch sehr gut balanciert sein. Das bedeutet, dass Säure, Intensität und herbe Noten sehr gut zusammen spielen und keine dieser Komponenten unangenehm herausragt. Zudem sollte der Champagner ein druckvolles, aber nicht kratziges oder auszehrendes Gefühl auf der Zunge und am Gaumen hinterlassen.
In Fragen kommen Champagner mit einem längeren Hefelager (> 3 Jahre) oder langem Ausbau der Grundweine (mehr als › 6 Monate auf der Hefe). Hervorragende Blanc de Blancs Champagner oder Jahrgangschampagner lagern gut. Auch hochklassige Blanc de Noirs aus Pinot Noir oder auch aus Meunier, sofern sie von außergewöhnlichen Produzenten stammen, sind für das Lagern geeignet. Auf unseren Produktdetailseiten geben wir zu jedem Champagner eine Empfehlung, wie viele Jahre er gelagert werden kann.
Wie lange kann Champagner gelagert werden?
Die zuvor beschriebenen Champagner können ohne Weiteres drei bis fünf Jahre gelagert werden. Oder auch länger. Voraussetzung sind perfekte Lagerbedingungen (siehe unten). Ein Aspekt, der gerne außer Acht gelassen wird, ist die persönliche Vorliebe. Viele Champagnerfreunde bevorzugen frischere Champagner mit deutlicher Fruchtaromatik. Für sie kommen lange gelagerte Champagner weniger in Frage. Falls man jedoch die oben beschriebenen tertiären Aromen liebt, kann man die Flaschen zu einem deutlich späteren Zeitpunkt öffnen. Zu empfehlen ist, mehrere Flaschen eines Champagners einzulagern und über die Jahre immer mal wieder eine Flasche zu öffnen. Dabei kann man einen Champagner begleiten und seine Entwicklung beobachten.

Diese Übersicht zum Lagern von Schaumwein finden Sie, neben vielen weiteren Information, zum kostenlosen Download in unserem Kundenkonto.
Die richtigen Lagerbedingungen für Champagner:
- Licht ist tabu
Champagner ist lichtempfindlich. UV-Strahlen können den Geschmack nachhaltig beeinträchtigen, daher sollte er immer im Dunkeln oder in einer lichtundurchlässigen Verpackung aufbewahrt werden. Wenn Champagner einigen Stunden direktem Sonnenlicht oder mehrere Wochen künstlichem Licht mit UV-Strahlen ausgesetzt ist, verliert er an Frische und Brillanz und entwickelt dumpfere und muffige Töne, die z. B. an nasse Pappe oder Papier erinnern. Champagner in weißen Flaschen ist besonders gefährdet. Grüne und noch etwas mehr, braune Flaschen bieten einen besseren Schutz vor den UV-Strahlen.
- Kühl und konstant, aber nicht im Kühlschrank
Die ideale Lagertemperatur für Champagner liegt konstant zwischen 10 und 12 Grad Celsius. Ein gewöhnlicher Kühlschrank ist dafür ungeeignet, da es dort zu kalt und zu trocken ist. Zudem können Kühlschränke vibrieren, was nicht gut für die Entwicklung von Champagner ist. Besser ist ein Weinlager- oder Klimaschrank. In guten Modellen sind die Probleme mit der zu geringen Feuchtigkeit und der Vibration gelöst. Aber auch Temperaturen zwischen 6 und 20 Grad Celsius sind für ein Lagern von Champagner über einige Monate, bis ein, zwei Jahre akzeptabel. Wichtig dabei ist allerdings, dass die Temperatur nicht häufig schwankt. Champagner, der im Winter bei 6 Grad und im Sommer bei bis zu 20 Grad aufbewahrt wird, nimmt keinen nennenswerten Schaden und entwickelt sich gut. Bei häufigeren Temperaturschwankungen geht Druck verloren und die Oxidation beschleunigt sich so, dass erwünschte Reifearomen weniger gebildet werden.
- Keine Erschütterungen
Häufige Bewegungen oder Vibrationen schaden dem Reifungsprozess. Die Flasche sollte ruhig und ungestört liegen – das gilt besonders bei längerer Lagerung.
- Feuchtigkeit nicht vergessen
Ein wenig Luftfeuchtigkeit (idealerweise 70-75 %) verhindert, dass der Korken austrocknet und Luft eindringt. Wer keinen natürlichen Keller hat, kann mit einem kleinen Luftbefeuchter nachhelfen.
- Stehend oder liegend?
Die klassische Frage: Soll Champagner liegend oder stehend gelagert werden? Die Antwort hängt von der Lagerdauer ab. Für kurze Zeiträume (bis zu 6 Monate) ist die Lagerung stehend unproblematisch. Wer jedoch plant, Champagner über Jahre zu reifen, sollte die Flaschen liegend lagern.