Als Bernhard Breuer im Mai 2004 plötzlich starb, übernahm seine Tochter Theresa Breuer mit gerade einmal 20 Jahren die Verantwortung für eines der wichtigsten Weingüter des Rheingaus. Bernhard hatte den 1880 als Teil einer Weinhandlung gegründeten Betrieb in Rüdesheim am Rhein seit den frühen 1980er Jahren international bekannt gemacht. Er kämpfte für den trockenen Riesling, als dieser im deutschen Weinbau noch wenig galt, und gründete 1984 die Rheingauer Charta. Sein Credo, er wolle Weine erzeugen, die das Merkmal ihrer Herkunft im Gesicht tragen, leitet das Gut bis heute.
Theresa rückte nach der Übernahme die Arbeit im Weinberg noch stärker in den Mittelpunkt. Rund 40 Hektar bewirtschaftet das Weingut in Rüdesheim, Rauenthal und Lorch, gut zwei Drittel davon in Steillagen. Im Rauenthaler Nonnenberg liegt eine Lage im Alleinbesitz, dazu kommen die berühmten Parzellen im Rüdesheimer Berg. Der Riesling bestimmt das Sortiment, ergänzt um etwas Spätburgunder und Grauburgunder sowie fast vergessene Sorten wie Orléans und Heunisch.
Warum das Weingut Breuer?
Breuer gehört zu den wenigen Spitzenbetrieben des Rheingaus, die dem VDP fernbleiben und stattdessen ihr eigenes vierstufiges System pflegen, vom Rheingau-Riesling über die Ortsweine bis zu den Lagenweinen. Diese Eigenständigkeit hat Bernhard geprägt und Theresa weitergeführt. Im Glas geht es einzig um die Herkunft der jeweiligen Lage: Die Rieslinge sind trocken, klar und auf Reife angelegt, mit der ruhigen Kraft, die der Rüdesheimer Schiefer hergibt. Wer den Rheingau in seiner gradlinigen, unverfälschten Form sucht, ist hier genau richtig.
Die Weine
Den Einstieg in die Handschrift des Guts bildet der Estate Rüdesheim. Dieser Ortsriesling macht die Rauchigkeit und die Steinobstnoten der Schiefer- und Quarzitböden bereits im Basissegment spürbar und bleibt dabei trocken und klar. Eine Stufe darüber steht Terra Montosa, in dem Theresa die zweitbesten Partien der Steillagen zusammenführt. Der Name spielt auf die steile Erde des Rüdesheimer Berges an, der Wein selbst gibt sich vielschichtig und als ausgesprochen guter Essensbegleiter. In traditioneller Flaschengärung entsteht der Riesling Sekt, straff und zupackend. Sein großer Bruder, der Georg Breuer Brut aus Weiß-, Grau- und Spätburgunder, ist ein außergewöhnlich reifer und vielschichtiger Schaumwein, der in einer eigenen Liga spielt.
An der Spitze stehen die Lagenweine aus dem Rüdesheimer Berg und aus Rauenthal, von denen nur die besten Partien überhaupt ihren Lagennamen tragen dürfen. Berg Rottland gilt als die subtilste Parzelle des Rüdesheimer Berges und zeigt feine, an Aprikose erinnernde Töne. Bodenbetont und auf sehr lange Reife angelegt fällt dagegen Berg Roseneck aus. Kräftiger und mit fast exotischer Würze tritt Nonnenberg auf, der aus dem Rauenthaler Alleinbesitz des Guts stammt und ausschließlich mit Riesling bestockt ist.
Für alkoholfreie Anlässe gibt es zwei Kandidaten: Dem Riesling Sans wird schonend der Alkohol entzogen, sodass er seine saftige, sortentypische Art behält, während der Pinot Noir Sans das entalkoholisierte Spätburgunder-Pendant stellt.
Weinberg & Keller
Die Grundlage für den typischen Breuer-Stil legt Theresa im Weinberg. Das Weingut bewirtschaftet seine gesamte Fläche naturnah und nachhaltig, mit dem erklärten Ziel, aus der Monokultur Weinberg wieder ein vielfältiges Ökosystem zu machen. Auf Herbizide und Pestizide verzichtet das Team vollständig und stärkt stattdessen die Rebe selbst. Statt synthetisch zu düngen, kommen Leguminosen (Hülsenfrüchtler) zum Einsatz, die den Stickstoff regulieren, und die Bodenpflege richtet sich nach dem, was die einzelnen Parzellen tatsächlich brauchen. Für die Artenvielfalt arbeitet der Betrieb im bundesweiten Projekt AmBiTo mit und gehört zu den ersten Mitgliedern von Fair and Green. Die Steillagen am Rüdesheimer Berg mit bis zu 65 Prozent Hangneigung lassen sich nur in Handarbeit bewirtschaften. Diese Mühe fließt unmittelbar in die Klarheit und die lange Lebensdauer der Rieslinge. Die Spätburgunder lagern im kleinen französischen Holzfass, und der Riesling-Sekt reift ganze 11 Jahre auf der Hefe, bevor er degorgiert wird.
| Name | Weingut Georg Breuer |
|---|---|
| Winzer | Hermann Schmoranz |
| Ort | Rüdesheim am Rhein |
| Bewirtschaftung | naturnah |
| Gären | spontane Gärung |
| Lagerung | Edelstahl und gebrauchte Holzfässer |
| Betriebsgröße | rund 40 Hektar |
| Produktion | 240.000 Flaschen |