Montagne de Reims: zupackende Champagner mit herrlich „weinigem“ Charakter
Die Cuvées von Clément Perseval erinnern eher an Wein als an Champagner, und das ist das größte Kompliment, das man ihnen machen kann: Klar, druckvoll, mit präsenter Mineralität und subtilem Holzeinsatz. Eine dezente Salzigkeit zieht sich durch das gesamte Sortiment und sorgt für Spannung bis zum letzten Schluck. Der Winzer aus Chamery übernahm 2010 ein zehn Generationen altes Familienweingut und entwickelte dessen Philosophie konsequent weiter: biologische Bewirtschaftung, spontane Vergärung, kein Eingriff ohne Not. Mit jedem neuen Jahrgang werden seine Champagner klarer in der Aussage und überzeugender im Ausdruck.
Weinbau, so Clément Perseval, ist wie Musik: Ein Lied werde niemals zweimal identisch gespielt. Es ist ein Bild, das seine Arbeit auf den Punkt bringt. Jeder Jahrgang, jedes Jahr „Übung“ und natürlich auch die individuellen Präferenzen, die sich immer wieder etwas ändern, beeinflussen das Ergebnis, das in die Flasche kommt. 2010 übernahm Clément das Familienweingut in Chamery an der Montagne de Reims, auf dem seit zehn Generationen Weinbau betrieben wird. Sein Vater Gérard hatte in den 1980er-Jahren begonnen, eigene Champagner abzufüllen. Clément hatte zuvor im Burgund gearbeitet und eine Ernte-Saison bei Pionier und Kultwinzer Anselme Selosse verbracht. Die naturnahen Ansätze seines Vaters intensivierte er konsequent und stellte die Bewirtschaftung auf biologische und teilweise biodynamische Methoden um. Jede Parzelle baut er seither getrennt aus, um die Eigenheit jedes Terroirs herauszuarbeiten. Die gesamten 3,3 Hektar liegen innerhalb des Ortes Chamery, und alle Champagner haben somit Premier-Cru-Status.

Cléments Champagner haben etwas, das heute selten geworden ist: Sie haben einen stark an Wein erinnernden Charakter! Klar, direkt, mit Spannung und Dichte, ohne gefällig wirken zu wollen. Der Verzicht auf Dosage macht sie zupackend und druckvoll, eine dezente Salzigkeit und eine feine Holznote sorgen für Tiefe. Clément steht für eine junge Generation an der Montagne de Reims, die konsequenter im Weinberg und zurückhaltender im Keller arbeitet. Wer sich auf seine Champagner einlässt, erlebt ein Sortiment im Aufbruch, das mit jedem Jahrgang klarer und überzeugender wird.
Premier Cru Chamery vereint alle drei klassischen Rebsorten, Meunier und Pinot Noir dominieren, Chardonnay steuert einen kleineren Anteil bei. Mineralisch, salzig und direkt zeigt er die Handschrift des Betriebs vom ersten Schluck an. Der Blanc de Blancs aus den oberen Hanglagen bringt die Kreideprägung Chamerys klar zum Ausdruck. Flache Böden führen die Wurzeln früh an die Kreide heran, was sich im Glas als kühle Geradlinigkeit niederschlägt. Beim Blanc de Noirs stehen Meunier und Pinot Noir gleichberechtigt nebeneinander. Er ist substanzreicher und „weiniger“ als der Blanc de Blancs, dabei von derselben Direktheit. Den Rosé variiert Clément in der Rebsortenzusammensetzung je nach Jahrgang. Charaktervoll bleibt er dabei stets, und als Essensbegleiter macht er eine besonders gute Figur.
Les Rouleaux ist ein reinsortiger Blanc de Blancs, der die Kreide von Chamery besonders unverstellt zeigt. Le Luth, ein Blanc de Noirs aus reinem Pinot Noir mit langem Hefelager, entwickelt eine brotig-würzige Komplexität und bemerkenswerte Länge. Bei Les Tremblaies stehen Meunier und Pinot Noir zu gleichen Teilen im Mittelpunkt, druckvoll und reif, mit klar spürbarem Kreidefundament. Millésime ist ebenfalls ein Jahrgangschampagner aus denselben Rebsorten, mit langer Reife und dichter, tiefgründiger Struktur.
Neben den Champagnern erzeugt Clément mit Les Rouleaux auch einen weißen Coteaux Champenois, der zeigt, wie ausdrucksstark die Lagen von Chamery jenseits der Flaschengärung sein können.
Die 3,3 Hektar in Chamery sind bewusst nach Höhenlage und Bodentyp bepflanzt. Auf den oberen Hanglagen, an denen die Böden flach sind und die Wurzeln schnell auf Kreide stoßen, wächst Chardonnay. Meunier findet sich auf den sandigen Mittellagen, Pinot Noir weiter unten auf lehmreicheren Böden. Die Reben sind im Schnitt 35 Jahre alt. Die Bewirtschaftung erfolgt biologisch, teilweise biodynamisch, und die Umstellung zur Bio-Zertifizierung läuft seit 2019. Auf Herbizide verzichtet Clément seit seiner Übernahme vollständig. Die Begrünung im Weinberg hatte sein Vater Gérard bereits 1980 eingeführt, und gelegentlich kommt bis heute der Pferdepflug zum Einsatz.
Im Keller arbeitet Clément mit einer traditionellen Coquard-Presse. Alle Weine vergären spontan und reifen anschließend in gebrauchten Holzfässern. Den biologischen Säureabbau lässt er natürlich verlaufen. Auf Filtration und Schönung verzichtet er ebenso wie auf Dosage, Schwefel wird nur in kleinen Mengen eingesetzt. Jede Lage wird getrennt ausgebaut, damit die Eigenheit des Terroirs erhalten bleibt. Das Ergebnis sind Champagner, die ihre Herkunft unverkennbar tragen. Weinig und mineralisch, mit einer Frische, die aus dem Boden kommt.
| Name | Champagne Clément Perseval |
|---|---|
| Winzer | Clément Perseval |
| Ort | Chamery, Montagne de Reims |
| Bewirtschaftung | biologisch, teils biodynamisch |
| Zertifizierung | in Umstellung seit 2019 |
| Pressen | traditionelle Coquard-Presse |
| Gären | spontane Gärung |
| Ausbau | biologischer Säureabbau, Verzicht auf Filtration und Schönung, geringer Einsatz von Schwefel |
| Lagerung | Edelstahl und gebrauchte Holzfässer |
| Betriebsgröße | 3,3 Hektar |
| Produktion | 13.000 Flaschen |