Vallée de la Marne: tiefgründige Champagner mit Meunier-Fokus von engagiertem Geschwister-Duo
Saftig, würzig, geerdet: Die Champagner von Drémont-Marroy verbinden Zugänglichkeit und Tiefe auf eine Art, die im Marne-Tal selten so gelingt. Meunier steht im Mittelpunkt und entfaltet auf den lehm- und kalkhaltigen Böden eine Frucht und Substanz, die der Rebsorte andernorts kaum zugestanden wird. Seit 2016 führt das junge Duo Jean-Rémi und Mélanie Drémont das Familienweingut in vierter Generation: konsequent biologisch, minimal im Keller, geduldig in allem. Das Ergebnis sind Champagner mit echtem Charakter und einem bemerkenswert guten Preis-Genuss-Verhältnis.
Urgroßmutter Odette legte den Grundstein: Sie war Lehrerin am Morgen und Winzerin am Nachmittag, angetrieben von der Liebe zu ihrem Land in Charly-sur-Marne. Ihr Weingut liegt im westlichsten Teil der Champagne, auf halbem Weg zwischen Paris und Reims, dort wo die Marne ihre charakteristische große Schleife beschreibt. Ihre Nachfolger bauten auf diesem Fundament auf: Die Großeltern brachten 1955 den ersten Champagner unter eigenem Namen auf den Markt, obwohl der Betrieb damals noch überwiegend von Landwirtschaft und Viehzucht geprägt war. Die Eltern Jean-Louis Drémont und Françoise Marroy schufen dann über mehr als zwei Jahrzehnte geduldiger Handarbeit den heutigen Betrieb. Sie pflanzten viele neue Parzellen selbst, wuchsen von 1 auf 7,5 Hektar und gaben dem Gut seinen heutigen Namen.
Seit 2016 führen Jean-Rémi und Mélanie Drémont das Weingut in vierter Generation. Sie teilen den Enthusiasmus ihrer Familie, den Optimismus und die Entschlossenheit, der jede Generation ihren eigenen Ausdruck verliehen hat. Ihnen ist vor allem die Arbeit mit der Natur wichtig: Seit 2019 wirtschaften sie biologisch, seit 2022 ist der Betrieb zertifiziert. Und sie nehmen sich Zeit – für die Arbeiten im Weinberg ebenso wie für die Weine selbst, die in aller Ruhe reifen dürfen. Alle 23 Parzellen werden separat ausgebaut, die Cuvées mit Feingefühl assembliert, Eingriffe auf ein Minimum reduziert.

Authentizität, Einfachheit und Lebensfreude – darauf fußt die Arbeit bei Champagne Drémont-Marroy. Jean-Rémi und Mélanie haben keinen fertigen Stil geerbt, sondern ihn selbst entwickelt. Meunier steht im Fokus ihres Sortiments, und das aus gutem Grund: Auf den lehm- und kalkhaltigen Böden des Marne-Tals entfaltet diese Rebsorte eine Frucht und Tiefe, die ihr andernorts selten zugestanden wird. Doch die Champagner erzählen mehr als eine Rebsortengeschichte. Sie sind Ausdrücke einzelner Orte, bestimmter Böden und eines Jahrgangs, der ohne Eingriff zur Tiefe findet. Was dieses Weingut auszeichnet, ist das konsequente Zusammenspiel von Geduld und Neugier, einer lohnenswerten Kombination. Die insgesamt noch sehr frischen Änderungen im Weingut bringen bereits jetzt überaus spannende Champagner hervor, und wir freuen uns auf die nächsten Jahre, die sicher noch mehr von der Familienhandschrift und Ausdrucksstärke zeigen werden.

Es werden alle drei Rebsorten angebaut, der Schwerpunkt bei Champagne Drémont-Marroy liegt jedoch auf dem Meunier. Die lehm-kalkhaltigen Böden ermöglichen beste Ergebnisse und mehr Frucht, der sonst eher charakterarmen Rebsorte. Le Triau und La Lierie sind die beiden Basis-Cuvées des Hauses. Le Triau mit Meunier in der Hauptrolle steht für das verwilderte Land und erinnert an die Elterngeneration, die viele Parzellen mit eigenen Händen freigelegt hat. Trotz der minimalen Dosage wirkt der Champagner angenehm weich. Bei La Lierie halten sich Pinot Noir und Chardonnay die Waage, und die Cuvée zeigt eindrucksvoll, was das Marne-Tal dem Chardonnay abzugewinnen vermag: üppige Reife und eine körperreiche Textur, die sonst eher roten Sorten vorbehalten scheint.
Auf vielen Parzellen wachsen zwischen den Rebstöcken Rosensträucher, denen der Jahrgangs-Rosé Les Rosiers seinen Namen zu verdanken hat. Die Cuvée basiert auf Meunier und Pinot Noir, deren Anteile je nach Jahrgang variieren, wobei ein Teil des Pinot Noir als Rotwein vinifiziert und zugegeben wird. Es ist ein Rosé mit Körper und Tiefe, der am Tisch besser aufgehoben ist als im Aperitifglas. Der Noir de Méandre ist ein Blanc de Noirs aus gleichen Teilen Pinot Noir und Meunier, dessen Parzellen verschiedene Böden vereinen – Erosions- und Schwemmland und Tuffeau-Kalkstein – und dem der Holzausbau zusätzliche Komplexität verleiht.
Die reinsortigen Jahrgangs-Cuvées der Éclosion-Reihe entstehen größtenteils in Betoneiern, wo der Wein nach Überzeugung von Jean-Rémi und Mélanie „lebt, atmet und sich entfaltet, bevor er geboren wird“. Alle drei Champagner kommen ohne Dosage aus. Éclosion Chardonnay ist eine der wenigen Blanc-de-Blancs-Cuvées des Marne-Tals, in der Frische und gereifte Fülle in Balance sind. Der Éclosion Pinot Noir betont die substanzreiche, weinige Seite der Rebsorte, während der Éclosion Meunier mit einer ungewöhnlichen Kombination aus Weichheit, Intensität und Festigkeit begeistert.

Die 7,5 Hektar von Drémont-Marroy verteilen sich auf 23 Parzellen in 4 Dörfern. Dort, wo die Marne ihre tiefe Krümmung beschreibt, hat die Erosion ein vielfältiges Mosaik an Bodenstrukturen hinterlassen: von leichtem Sand bis zu schwerem Ton, ergänzt durch alte Schwemmlandsedimente und stellenweise Tuffeau-Kalkstein. Das feuchte Mikroklima mit seinem bisweilen spektakulären Morgennebel verleiht jedem Ort seinen eigenen Charakter und stellt Jean-Rémi und Mélanie vor ganz unterschiedliche Anforderungen je nach Parzelle, Exposition und Boden. Diese Auseinandersetzung mit der Natur im Detail hat sie auch zum biologischen Weinbau geführt: Seit 2019 läuft die Umstellung, 2022 wurde der erste nach Agriculture Biologique-zertifizierte Jahrgang geerntet.
Im Weinberg wird alles von Hand bearbeitet. Einzelne Parzellen pflügen Jean-Rémi und Mélanie mit einem Boulonnais-Arbeitspferd, was die Wasseraufnahme des Bodens verbessert, seine Oberflächenschichten mit Sauerstoff anreichert und das Bodenleben stärkt. Auf chemische Pestizide, Insektizide und Fungizide wird vollständig verzichtet, stattdessen kommen biodynamische Präparate und Gründüngungen zum Einsatz. Zerkleinerter Winterschnitt wird als Mulch eingearbeitet, um die organische Substanz im Boden zu erhöhen und gleichzeitig das CO2 zu vermeiden, das beim Verbrennen der Hölzer entstehen würde. Über die Rebflächen hinaus halten Jean-Rémi und Mélanie 4 weitere Hektar als Brachen, Hecken, Baumreihen und Grasstreifen frei. Imker stellen Bienenstöcke in den Lagen auf, Schafherden weiden zwischen den Reben.
Im Keller wird der minimalinvasive Ansatz konsequent weitergeführt. Gepresst wird mit einer Differenzialpresse, und ausschließlich die erste, besonders schonende Pressung („Cuvée“) kommt für die Champagnerproduktion zum Einsatz. Alle 23 Parzellen werden separat ausgebaut, in kleinen Behältern, die den unterschiedlichen Anforderungen jeder Lage gerecht werden: Holzfässer verschiedener Größen, Betoneier und Emailletanks. Die Betoneier bestehen aus dem gleichen Kalkton wie die Weinbergsböden. Ihre ovale Form hält den Wein in sanfter Bewegung, während die Porosität des Materials eine kontrollierte Mikrooxidation zulässt. Die Vergärung der Grundweine erfolgt mit Naturhefen, auf biologischen Säureabbau wird verzichtet, um Frische und Lebendigkeit zu bewahren. Die Klärung übernimmt die Winterkälte, auf Filtration wird ebenfalls verzichtet. Nach rund zehn Monaten auf der Hefe reifen die Champagner sur lattes, wobei der Zeitpunkt des Degorgierens für jede Cuvée und jeden Jahrgang neu entschieden wird und in der Regel zwischen drei und fünf Jahren liegt. Auf Dosage wird bei nahezu allen Cuvées vollständig verzichtet. Den ganzheitlichen Ansatz runden leichte Glasflaschen und nachhaltig hergestellte Etiketten ab.

| Name | Champagne Drémont-Marroy |
|---|---|
| Winzer | Jean-Rémi Drémont |
| Ort | Charly-Sur-Marne |
| Bewirtschaftung | biologisch |
| Zertifizierung | Agriculture Biologique, EU Bio Siegel |
| Pressen | Differenzialpressung |
| Gären | überwiegend spontane Gärung |
| Ausbau | Verzicht auf Filtration und Schönung, minimale Zugabe von Schwefel |
| Lagerung | gebrauchte Holzfässer in verschiedenen Größen, Betoneier und Emailletanks |
| Betriebsgröße | 7,5 Hektar |
| Produktion | 20.000 Flaschen |