Veröffentlicht am Dienstag 12. Mai 2026
Restaurant Irori
Winzer-Champagner, Sterne-Küche, Fachwerkhaus.
Zu Besuch im Irori in der Südpfalz.
Es gibt Restaurants, über die man schon lange reden hört, bevor man sie selbst besucht. Das Irori von Max Goldberg und Kerstin Bauer ist so eines. Kerstin ist seit Jahren Kundin bei einfachweinkaufen.de, wir schätzen ihren Geschmack und ihren Blick für außergewöhnliche Weine. Aber ein Besuch bei ihr und Max hatte sich immer wieder verschoben. Im Mai 2026 war es endlich so weit: Wir fuhren in die Südpfalz, ins Dorf Knittelsheim, zum Isenhof.
Und ja: Das Warten hat sich gelohnt.
Ein altes Fachwerkhaus, eine klare Haltung
Der Isenhof ist kein Restaurant, das Eindruck schinden will. Es ist ein kleines, altes, leicht schiefes Fachwerkhaus in der Südpfalz, das sofort das Gefühl vermittelt: Hier ist jemand endlich angekommen. Max und Kerstin haben diesen Ort nach Jahren des Umwegs über Foodboxen, Pop-ups, Private Dinings und einem ersten Restaurant in Diedesfeld gefunden. Man spürt, dass sie hier nicht mehr weg wollen.
Der Name Irori kommt aus dem Japanischen und bezeichnet eine traditionelle Feuerstelle im Haus, an der man zusammenkommt, um zu essen, zu trinken und zu reden. Das klingt nach Konzept, ist aber vor allem Programm: Der Abend bei Max und Kerstin hat genau das. Man kommt an, atmet durch, und ist dabei.
Was Max Goldberg in die Küche bringt
Max ist in der Pfalz aufgewachsen und hat in ernsthaften Häusern gelernt: zwei Sterne im Opus V in Mannheim, Taubenkobel bei Alain Weißgerber, zuletzt erkochte er im Restaurant Oxalis als Küchenchef direkt einen Michelin-Stern und die Auszeichnung „Entdeckung des Jahres" im Gault Millau. Im Irori in Diedesfeld dann erneut ein Stern im Guide Michelin 2024. Die Biografie gibt es her, den Stern also auch. Aber darum geht es Max erkennbar nicht zuerst.
Was ihn wirklich antreibt, ist das Produkt. Er arbeitet mit über dreißig Bauern und Erzeugern aus der Region zusammen, saisonal und konsequent. Was fehlt, wird undogmatisch ergänzt, wenn es dem Menü nützt. Japan ist dabei keine Ästhetik-Referenz, sondern eine echte Quelle: Max fermentiert, experimentiert mit Techniken aus der japanischen Küche und der skandinavischen Tradition, und sucht damit nach Geschmack, den man so noch nicht kannte. Das Ergebnis ist Küche, die erkennbar aus einem Ort kommt und trotzdem weit reist. Kein Spektakel, aber echte Tiefe.

Kerstins Champagnerkarte: Winzer statt Marken, Überzeugung statt Etiketten
Wer denkt, der Abend dreht sich vor allem um die Küche, irrt sich ein wenig. Kerstins Weinkarte ist ein eigenes Kapitel. Und für uns als Champagner-Menschen natürlich ein sehr persönliches.
Die Champagner-Auswahl im Irori ist bemerkenswert: Kerstin trägt eine Vielzahl an Winzer-Champagnern zusammen, von denen etliche auch bei uns im Sortiment sind. Wer also weiß, was kleine Produzenten aus der Champagne leisten können, findet hier eine Karte, die das versteht und ernst nimmt. Kein Aushängeschild der großen Häuser, dafür Flaschen, hinter denen jemand mit Überzeugung steht.
Das Burgund auf ihrer Karte ist beeindruckend. Wer sich für guten Wein interessiert und weiß, wie schwer es inzwischen ist, interessante Burgunder zu vernünftigen Bedingungen zu bekommen, wird Kerstins Auswahl mit echtem Respekt zur Kenntnis nehmen. Dazu kommen Raritäten aus Deutschland und Frankreich, die man in dieser Kombination selten auf einer Restaurantkarte findet, sowie Sake: Japan ist eben kein Dekor, sondern Teil der DNA des Hauses.
Das Gespräch über Wein mit Kerstin ist direkt, kenntnisreich und ohne Attitüde. Sie erklärt, ohne zu dozieren, und empfiehlt, ohne zu drängen. Genau so soll es sein.

Eine Nacht im Isenhof: drei Zimmer, die man sich nicht entgehen lassen sollte
Was den Abend noch besser macht: Man muss danach nicht fahren. Das Irori bietet drei Gästezimmer im Isenhof an. Wir haben dort übernachtet und können es nur empfehlen. Wer einen Abend mit gutem Essen und einer Weinkarte dieser Qualität verbringt, sollte nicht hetzen. Hier bleibt man. Morgens ist die Gegend still, die Südpfalz zeigt sich von ihrer ruhigen Seite, und man hat Zeit, den Abend nachwirken zu lassen.
Warum ein Restaurant aus der Südpfalz eine Reise aus München wert ist
Wir fahren viel. In die Champagne, zu Winzern in Frankreich und Deutschland, zu Restaurants, in denen Menschen mit Haltung kochen und ausschenken. Das Irori gehört in diese Kategorie. Es ist kein Ort für einen schnellen Abend. Es ist ein Ort, an dem man spürt, dass zwei Menschen alles dafür geben, dass der Gast wirklich einen unvergesslichen Abend hat. Die Karte wechselt mit der Saison, der Keller wächst mit Kerstins Überzeugungen, und das Haus in Knittelsheim gibt allem den richtigen Rahmen.
Für uns war es einer dieser seltenen Abende, bei denen man am Ende denkt: genau dafür machen wir das alles. Wir kommen wieder.
Irori im Isenhof, Knittelsheim, SüdpfalzReservierung und aktuelle Öffnungszeiten unter irori.restaurant