Montagne de Reims: eigenständige Champagner aus zwei Terroir-Welten
Kraftvoll und zugänglich, frisch und substanzreich, trocken und doch nie karg – die Champagner von Domaine Méa besitzen eine innere Logik, die im Glas sowohl Einsteiger als auch Kenner sofort überzeugt. Zwei klimatisch grundverschiedene Terroir-Zonen der Montagne de Reims prägen das Spannungsfeld: der reife, Pinot-Noir-geprägte Süden mit den Grand-Cru-Gemeinden Bouzy und Louvois, der straffe, frischere Norden um Ludes und Montbré. Sophie Moussié, fünfte Generation einer seit fast einem Jahrhundert in Louvois verwurzelten Winzerfamilie, führt das Gut seit 2019 gemeinsam mit ihrem Mann Franck und überzeugt dabei mit wachsender Entschiedenheit und einem hervorragenden Preis-Genuss-Verhältnis.
„Wenn ich groß bin, werde ich eine ‚Champagneuse‘!“ Diesen Satz soll Sophie Moussié als Kind mit einem schelmischen Lächeln ständig wieder wiederholt haben. Es klang nach Kindheitstraum, war aber eine Ankündigung. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Franck Moussié Domaine Méa in Louvois, einer der kleinsten unter den 17 Grand-Cru-Gemeinden der Champagne, als fünfte Generation einer Winzerfamilie, die hier seit fast einem Jahrhundert verwurzelt ist. Die Geschichte ist geprägt von Beharrlichkeit: Als René Méa im Zweiten Weltkrieg fünf Jahre lang als Kriegsgefangener in Österreich festgehalten wurde, übernahm sein erst neunjähriger Sohn Guy die Weinberge und Verantwortung. Aus dieser Erfahrung erwuchs eine lebenslange Leidenschaft: Guy baute das Gut aus, gab ihm seinen langjährigen Namen („Champagne Guy Méa“) und erweiterte den Besitz durch Heirat um Parzellen im nördlicheren Teil der Montagne de Reims. 1982 übernahm Tochter Evelyne, 2019 folgte nun Sophie – und seit 2024 trägt das Haus den Namen „Domaine Méa“.
Das Gut umfasst 7 Hektar auf rund 27 Parzellen in fünf Dörfern und gliedert sich in zwei klimatisch grundverschiedene Terroir-Zonen: den kraftvollen, Pinot-Noir-geprägten Süden mit den Grand-Cru-Lagen von Louvois und Bouzy sowie den frischeren, strafferen Norden mit den Premier-Cru-Parzellen in Ludes, Montbré und Chigny-les-Roses. Pinot Noir ist die dominierende Rebsorte, Chardonnay stellt den größten Teil des Rests, Meunier ergänzt mit einem kleinen Anteil. Aus diesem Spannungsfeld entstehen Champagner, die zugleich Tiefe und Zugänglichkeit besitzen.

Sophie und Franck Moussié stellen sich nicht in den Vordergrund. Sie konzentrieren sich auf ihre Arbeit, und die spricht für sich. Was das Haus auszeichnet, ist die innere Logik des Sortiments: Kein Champagner gleicht dem anderen, weil kein Terroir dem anderen gleicht. Der Süden liefert Wärme und Substanz, der Norden Spannung und Frische. Zwischen diesen Polen bewegt sich Domaine Méa mit zunehmender Klarheit und Entschiedenheit. Die neuere Linie aus Jahrgangscuvées und fassausgebautem Terroir-Champagner zeigt, wie weit Sophie und Franck bereit sind, das handwerkliche Potenzial ihrer Parzellen auszuschöpfen.

Als zugänglicher Einstieg überzeugt L'Assemblage durch Trinkfreude und Vielschichtigkeit: Pinot Noir stellt den deutlich größeren Teil dieser Premier-Cru-Cuvée, Chardonnay ergänzt mit einem guten Drittel, und alle Parzellen des Weinguts finden nach rund drei Jahren Hefelager zu einem charaktervollen Ganzen zusammen. Le Grillon trägt den Spitznamen von Christiane Méa, Frau von Guy, durch deren Familie das Weingut seinen Weg in den Norden der Montagne de Reims fand. Chardonnay dominiert die Cuvée, ergänzt durch einen Teil Pinot Noir aus den Premier-Cru-Lagen Ludes, Montbré und Chigny-les-Roses – frisch, straff und mit mindestens vier Jahren auf der Hefe gereift. Geprägt von überwiegend Pinot Noir aus den Grand-Cru-Lagen Bouzy und Louvois reift La Sig'Nature rund vier Jahre auf der Hefe und zeigt, was der Süden der Montagne de Reims zu leisten imstande ist: kraftvoll, komplex und von einer Eleganz, die man ihm zunächst nicht unbedingt zutraut. La Rencontre wurde erstmalig 2018 aufgelegt und der erste Champagner des Hauses, in der Meunier eine Hauptrolle spielt. Er wird zu gleichen Teilen aus Pinot Noir, Meunier und Chardonnay aus je einer einzelnen Premier-Cru-Parzelle assembliert, verbringt über ein Jahr im Holzfass und bringt mit seiner wärmeren, runderen Textur eine neue Dimension ins Sortiment.
Aus 100% Chardonnay alter Reben in den Grand-Cru-Lagen von Louvois und Bouzy entsteht Belle de Blancs, ein Jahrgangs-Blanc-de-Blancs, der nach sechs Jahren Hefelager eine Tiefe und Spannung entwickelt, die das frische Potenzial des Chardonnays um eine vielschichtige Dimension ergänzt. Das direkte Gegenstück ist Belle de Noirs: reinsortig aus Pinot Noir ausgewählter Grand-Cru-Parzellen in Bouzy und Louvois vinifiziert, ebenfalls sechs Jahre auf der Hefe gereift, kraftvoll und präzise zugleich.
Die Cuvée des Loups ist das Millesimé-Aushängeschild des Hauses: Sie besteht zu gleichen Teilen aus Pinot Noir und Chardonnay der besten Grand-Cru-Lagen von Louvois und Bouzy, ist teilweise im Holzfass ausgebaut und mindestens vier Jahre auf der Hefe gereift. Der Name knüpft an die Geschichte des Dorfes an – „loupvoie“ bezeichnete einst den Weg, den die Wölfe aus den Wäldern der Montagne de Reims nahmen.

Die Weinberge von Domaine Méa gliedern sich in drei Zonen: Im Süden (Louvois und Bouzy) wachsen die Reben auf nach Südwesten geneigten Hängen mit kalk-lehmigen Böden, die Pinot Noir außergewöhnliche Reife und Substanz verleihen. Im Norden (Ludes, Montbré und Chigny-les-Roses) neigen sich die Parzellen nach Norden und Osten und bringen frischere, straff strukturierte Grundweine hervor. Neu hinzugekommen sind Premier-Cru-Parzellen im Vallée de la Marne (Mareuil-sur-Ay und Hautvillers), die das Terroir-Spektrum des Betriebs nach Süden hin erweitern. Sophie und Franck sind nach dem HVE-Standard (Haute Valeur Environnementale) zertifiziert, arbeiten seit Jahren ohne konventionelle Pestizide, Herbizide und Mineraldünger und befinden sich seit 2022 auf dem Weg zur Bio-Zertifizierung.
Im Keller vinifiziert Sophie die Trauben parzellenweise oder nach Terroir, um die Eigenheiten jeder Lage zu verstehen und gezielt einzusetzen. Der Ausbau erfolgt überwiegend in emaillierten Edelstahltanks auf der Feinhefe, für die neuere Linie zunehmend in gebrauchten Eichenholzfässern verschiedener Größen. Der biologische Säureabbau ist fester Bestandteil der Vinifikation, Spontangärung kommt immer häufiger zum Einsatz. Verlängerte Hefelagerzeiten und konsequent niedrige Dosagen verleihen den Champagnern mehr Tiefe und Eigenständigkeit, ohne ihre Zugänglichkeit zu opfern.

| Name | Champagne Domaine Méa |
|---|---|
| Winzer | Sophie Moussié |
| Ort | Louvois, Montagne de Reims |
| Bewirtschaftung | biologisch in Umstellung |
| Zertifizierung | Haut Valeur Environnementale (HVE) |
| Pressen | pneumatische Presse (4.000 kg) |
| Gären | spontane Gärung |
| Ausbau | Lagerung auf der Hefe, Verzicht auf Filtration und Schönung, minimale Zugabe von Schwefel |
| Lagerung | Edelstahltanks, teilweise gebrauchte Holzfässer |
| Betriebsgröße | 7 Hektar |
| Produktion | 30.000 Flaschen |