Veröffentlicht am Mittwoch 22. Juli 2026
Aktuelle Entwicklung in der Champagne
Wie steht es um die Ernte 2026?
Spätfrost im April, die dritte Hitzewelle im Juli. Was der Jahrgang 2026 den Winzern in der Champagne abverlangt hat und was das für die Ernte bedeutet.
Nach zwei kleinen Ernten in Folge hofften die Winzer in der Champagne in diesem Jahr auf mehr Ertrag, um ihre Reserven an Grundwein wieder aufzufüllen. Davon hatten sie in 2024 und 2025 einiges entnommen, um die geringen Traubenmengen auszugleichen. Die Reserve ist für kleine Winzer mehr und mehr eine überlebenswichtige Versicherung gegen Frühjahrsfrost, Pilzbefall, Hagel und Unwetter, und die Ertragsschwankungen haben in den letzten Jahren spürbar zugenommen.
Ein zu früher, zu warmer Start
Der Jahresbeginn 2026 war gemischt. Bereits Ende Februar gab es 10 Tage mit Temperaturen über 20 Grad. Was viele Menschen freut, ist für Winzer eine Situation, die Panik auslöst. Der Austrieb erfolgt verfrüht, und die Triebe können dann bis Ende April in möglichen Frostnächten erfrieren. Genau das ist auch geschehen. Ende April wurde es nochmal kalt, und vor allem im Vallée de la Marne haben einige Winzer bis zu 60 Prozent ihrer Ernte verloren. Meunier war besonders stark vom Frost betroffen. Ein kleiner Trost: Im Gegensatz zu Chardonnay und Pinot Noir kann diese Rebsorte einen zweiten Nottrieb bilden. Bei idealen Bedingungen können so ein paar Trauben entstehen und ein Teil des Verlusts kompensiert werden.
Immer wieder erstaunlich finde ich, dass die Winzer, mit denen ich gesprochen habe, gelassen wirkten. Das sei eben die Natur, und daran könne man nichts ändern. Was sich doch verändern lässt, versuchen viele trotzdem, etwa den Rebschnitt. Der Rebschnitt bei den Erziehungsformen der Champagner ist enorm zeitaufwändig, die Winzer brauchen zwei bis drei Monate, bis sie alle Weinberge geschnitten haben. Bei einem Vorschnitt lässt man die Ruten mit den späteren Austrieben zunächst länger stehen und kürzt sie erst in einem zweiten Durchgang auf die vorgesehene Länge. Die vom Stamm am weitesten entfernten Augen treiben dann zuerst aus, die näher am Stamm liegenden erst später. Nach dem Kürzen entwickeln sich die vorgesehenen Augen entsprechend später und sind so besser vor Frost geschützt. Dieses Jahr war es leider viel zu früh, viel zu warm, sodass diese Strategie nur zum Teil zum Erfolg geführt hat.

Trockenheit statt Pilzbefall
Die gute Nachricht ist, dass es 2026 kaum Probleme mit Pilzbefall gab. Falscher Mehltau hat den Winzern 2021 und 2024 extrem zugesetzt, doch aufgrund des warmen und trockenen Wetters konnte sich diese Krankheit in diesem Jahr kaum ausbreiten. Auch Hagel hat bisher wenig Schäden angerichtet, die Gefahr ist aber immer noch nicht gebannt.
Denn 2026 steht für Trockenheit und Hitze. Frankreich durchlebt im Moment bereits die dritte Hitzewelle. Alte Reben auf Kreideböden kommen mit ihren tiefen Wurzeln noch an Wasser in den Gesteinsschichten darunter. Jung gepflanzte Reben, deren Wurzeln noch nicht in die Tiefe reichen, haben es dagegen schwer. Man kann sie manuell mit Tankanhängern bewässern, der Aufwand dafür ist bei vereinzelt nachgesetzten Reben jedoch sehr hoch. Auch Reben auf Sandböden leiden mehr, weil diese Böden weniger Wasser halten. Das nördlich gelegene Massif de Saint Thierry ist mit seinen Sandböden stark von der Trockenheit betroffen. Positiv: Laubarbeit war dieses Jahr kaum nötig, weil das Wachstum der Reben durch das fehlende Wasser eingeschränkt war. Das spart Zeit.
Ausblick auf die Ernte
Insgesamt sieht es für den Jahrgang trotzdem gut aus. Geerntet wird ab der dritten Augustwoche, mal wieder ein sehr früher Start. Für Qualität und Menge ist noch alles möglich. Entscheidend ist, dass keine Hagelstürme mehr auftreten und dass die Trauben genug Saft entwickeln. Regen wäre in den nächsten zwei Wochen gut, dann könnten die verbleibenden Trauben bei sehr guter Reife genügend Saft entwickeln. Ich drücke die Daumen.