Veröffentlicht am Samstag 15. August 2026

Die Jahrgänge in der Champagne

Hier finden Sie detaillierte Beschreibungen und Einschätzungen zu den Jahrgängen 2024 bis 1985.

Die Jahrgänge in der Champagne

Auf dieser Seite haben wir Beschreibungen und Bewertungen für die letzten Jahrgänge in der Champagne niedergeschrieben. Wir möchten damit einen Anhaltspunkt für die Weinstilistik der unterschiedlichen Jahre geben. Beachten Sie, dass in der Champagne überwiegend Weine mehrerer Jahre in einer Cuvée verwendet werden. Nur bei Champagnern mit Wein aus einem einzigen Jahr (deklariert als Jahrgangschampagner oder „Millésime“, oft aber auch nicht), kommt der Charakter einer Saison deutlicher zum Ausdruck. 

Bedenken Sie auch, dass es abhängig von der Philosophie des Winzers, dem Mikroklima und den Weinbergslagen nochmal zu Abweichungen ins Positive, aber auch ins Negative kommen kann. Die Arbeit im Weinberg hat eine große Auswirkung auf die Qualität der Trauben. Abhängig ist dies von der Bewirtschaftungsweise (konventionell, naturnah, biologisch oder biodynamisch), dem Ertragsansatz (Ausrichten der Weinberge auf maximale Menge oder auf physiologische Reife), dem Aufwand, der im Weinberg betrieben wird und dem Timing für die Arbeiten. Mikroklimata können durch Baumgruppen, Flüsse etc. deutlich unterschiedlich ausfallen. Und die Ausrichtung der Weinberge, Höhen- und Hanglage etc. hat ebenso einen großen Einfluss auf die Traubenreife und Gesundheit. 

Unsere Winzer sind Spitzenwinzer der Champagne und setzen ein großes Augenmerk auf reife und gesunde Trauben. Aus diesem Grund erzielen sie sehr häufig bessere qualitative Ergebnisse als die, die wir hier darstellen.

Jahrgang 2024

Die Jahrgänge in der Champagne
Der Jahrgang 2024 markiert eine harte Zäsur nach drei warmen, gesunden Jahrgängen und stellt die Winzer der Champagne vor Aufgaben, die viele jüngere Generationen so nicht kannten. Der Winter brachte hohe Niederschläge ohne durchgreifende Kälte. Das Frühjahr setzte kühl und ausgesprochen nass ein, lokale Aprilfröste verursachten in einzelnen Sektoren Schäden. Der dominante Belastungsfaktor des Jahres war jedoch die anhaltende Feuchtigkeit. Frühling und Sommer verliefen über weite Strecken kühl mit häufigen Regenphasen, was über Monate hinweg massiven Peronospora-Druck erzeugte. Wer im Rebschutz nicht konsequent agierte, verlor Trauben in großem Umfang. Die Reife verzögerte sich, die Lese begann in den meisten Sektoren ab Mitte September.

Quantitativ fiel 2024 deutlich unter dem Durchschnitt aus. Der Verband legte die Erntemenge auf 10.400 kg/ha fest. Effektiv blieben die meisten Betriebe durch Mehltau und Botrytis weit unter den theoretisch möglichen Mengen. Qualitativ hängt 2024 stark vom einzelnen Betrieb ab, in den disziplinierten Häusern entstanden frische, säurebetonte Grundweine, im Profil vergleichbar mit klassisch kühlen Jahrgängen.

Chardonnay zeigt sich als stabilste Sorte und liefert die saubersten Profile. Pinot Noir litt unter unvollständiger phenolischer Reife und Pilzdruck. Meunier traf es als pilzanfälligste Sorte erneut am härtesten.

Die Côte des Blancs ist der relative Lichtblick mit frischen, säurebetonten Chardonnay aus den Top-Lagen. Die Montagne de Reims zeigt deutliche Streuung, je nach Lage und Rebschutzpraxis. Die Vallée de la Marne brachte durch hohen Meunier-Anteil und Pilzdruck stark reduzierte Mengen und schwankende Qualität. Auch in der Côte des Bar war 2024 ein nasser, schwieriger Jahrgang mit hohem Pilzdruck und niedrigen Erträgen
 

2024 wird kein großer Jahrgang, sondern ein klassisch kühler, schmaler, der die Spreu vom Weizen trennt. Die meisten Häuser dürften ihn nicht als Millésime führen, das Lesegut fließt überwiegend in Assemblagen.
 

Die Jahrgänge in der Champagne

 

Jahrgang 2023

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2023 reiht sich in die Folge warmer Jahrgänge ein, brachte aber spezifische Herausforderungen vor allem in der Spätphase der Vegetation. Der Winter verlief mild, das Frühjahr setzte mit eher zögerlichem Austrieb ein. Lokale Spätfröste Anfang April hinterließen in einzelnen Gebieten Spuren, insbesondere in tiefer gelegenen Lagen. Der Sommer war heiß und mündete in eine ausgeprägte Hitzephase Ende August, die kurz vor und während der Lese die Trauben unter Stress setzte und in feuchteren Parzellen den Botrytis-Druck erhöhte. Lokale Gewitter mit Hagel belasteten einzelne Gebiete zusätzlich. Der Pilzdruck war je nach Niederschlagsmuster moderat bis erhöht. Die Lese begann ab dem 5. bis 7. September. Besondere Probleme brachten enorme Hitze und Niederschläge kurz vor oder während der Ernte. 

Quantitativ gehört 2023 zu den großzügigeren Jahrgängen der jüngeren Vergangenheit. Der vom Verband festgelegte Höchstertrag lag bei 11.400 kg/ha. Sehr viele Winzer hatten deutlich mehr Menge in den Weinbergen hängen. 

Qualitativ ist 2023 vor allem ein Selektionsjahrgang, in dem rasche Entscheidungen bei Lesezeitpunkt und Sortierung das Endergebnis bestimmt haben.

Chardonnay erweist sich als stabilste Sorte, mit präziser Frucht und solider Säurespannung bei gut organisierten Betrieben. Pinot Noir streut deutlich, abhängig von Hitzedruck und Lesetaktik. Meunier reifte ordentlich aus, mit etwas weicherer Säurestruktur als in kühleren Jahren.

Die Côte des Blancs lieferte die zuverlässigsten Resultate, mit klaren Chardonnays aus den Top-Lagen. In der Montagne de Reims schwanken die Pinot Noirs spürbar zwischen den Handschriften der Winzer. Das Vallée de la Marne brachte solide Qualitäten, in besonders heißen Gebiete mit weicheren Profilen. An der Côte des Bar gab es bedingt durch örtlich starke Gewitter mit teils immensem Hagel unterschiedliche Szenarien. Insgesamt ist das Jahr in der Region qualitativ solide und ertragreich. 

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Jahrgang 2022

Die Jahrgänge in der Champagne
Der Jahrgang 2022 zählt zu den positiven Überraschungen der jüngeren Champagne-Geschichte und vereint Eigenschaften, die in dieser Kombination selten zusammenfallen: hohe Reife, intakte Säure, gesundes Lesegut und eine außergewöhnlich großzügige Erntemenge. Der Winter blieb mild und niederschlagsarm, der Austrieb erfolgte früh. Kleinere Frostepisoden Anfang April verursachten nur lokal begrenzte Schäden. Der Frühling kippte rasch in einen extrem heißen und trockenen Sommer mit mehreren Hitzewellen. Lokale Hagelschläge im Juni belasteten einzelne. Der Pilzdruck blieb durch die anhaltende Trockenheit auf historisch niedrigem Niveau, das Lesegut präsentierte sich entsprechend sauber. Die Ernte begann je nach Gebiet um den 20. August, ähnlich früh wie 2020.

Quantitativ überraschte 2022 trotz der Hitze positiv. Der vom Verband festgelegte Höchstertrag lag bei 12.000 kg/ha, einer der höchsten Werte seit Jahren, und war dem äußerst geringen Ertrag 2021 geschuldet. Qualitativ erreichten die Trauben hohe Mostgewichte bei erstaunlich erhaltener Säure, ein Phänomen, das viele erfahrene Önologen in dieser Klarheit nicht erwartet hatten.

Chardonnay zeigt Tiefe, klare Fruchtansätze und überraschende Frische. Pinot Noir präsentiert sich strukturiert, mit reifem Tanninkern und Substanz. Meunier reifte rund und harmonisch aus, mit erfreulicher Säurespannung und mehr Profil als in den meisten warmen Jahren.

Die Montagne de Reims liefert besonders überzeugenden Pinot Noir, die Côte des Blancs sehr guten Chardonnay trotz lokaler Hagelverluste. Im Vallée de la Marne nutzten die Meunier-Spezialisten den gesunden Reifeverlauf gut aus. Die Côte des Bar erlebte einen ihrer überzeugenderen Jahrgänge der jüngeren Vergangenheit, mit reifem, frischem Pinot Noir bei guten Erträgen.

2022 hat das Zeug zum Referenzjahrgang einer neuen, wärmeren Klimaära in der Champagne.

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Jahrgang 2021

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Das Jahr 2021 verlangte den Winzern der Champagne mehr ab als jeder andere Jahrgang der vorherigen zehn Jahre. Auf einen milden Winter folgte Anfang April ein einschneidender Kälteeinbruch, der in den Nächten vom 6. bis 8. April Frostschäden vor allem in den früh ausgetriebenen und tiefgelegenen Parzellen hinterließ. Frühling und Sommer verliefen kühl und nass, was anhaltenden Druck durch Peronospora (Falschen Mehltau) auslöste, später kam Oidium (Echter Mehltau) hinzu. Vereinzelte Hagelereignisse im Juni und Juli verschärften die Lage in einzelnen Gebieten. Die Reife verzögerte sich erheblich, die Lese begann erst um den 20. September.

Mengenmäßig fiel 2021 außergewöhnlich klein aus. Der vom Verband für diesen Jahrgang angesetzte Höchstertrag lag bei 10.000 kg/ha. Effektiv blieben die meisten Betriebe durch Frost, Mehltau und Hagel deutlich darunter. Wer den Pilzdruck konsequent beherrschte und scharf selektierte, holte dennoch klassisch kühle Grundweine mit hoher Säure und niedrigem Mostgewicht heraus, ein Profil, das in den fülligen Hitzejahrgängen davor längst Seltenheitswert hatte.

Chardonnay gelang besten und liefert die saubersten, präzisesten Ergebnisse, vorausgesetzt der Rebschutz saß. Pinot Noir litt unter Peronospora und konnte die phenolische Reife oft nicht voll abschließen. Meunier traf es als pilzanfälligste Sorte am härtesten, sowohl in Menge als auch in Qualität.

Die Côte des Blancs ist der eigentliche Lichtblick, mit frischen, animierenden Chardonnays aus den Top-Lagen. In der Montagne de Reims streuen die Ergebnisse stark zwischen Lagen und Handschriften der Winzer. Das Vallée de la Marne wurde durch hohen Meunier-Anteil und massiven Pilzdruck am stärksten getroffen. Frostschäden im April trafen die Côte des Bar deutlich, dazu Pilzdruck wie überall in der Champagne. Quantitativ und qualitativ ein schwächerer Jahrgang in der Region.

2021 wird kaum als großer Jahrgang in die Geschichte eingehen, bietet jedoch Liebhabern schlanker, säurebetonter Champagner ein reizvolles Gegengewicht zur Reihe heißer Jahre davor.

Die Jahrgänge in der Champagne


Jahrgang 2020

Die Jahrgänge in der Champagne
2020 bildet das Ende einer ungewöhnlichen Folge heißer Jahre und bestätigt den Trend zu früheren, gesünderen Ernten. Der Winter fiel feucht und mild aus, das Frühjahr brachte einen frühen Austrieb. Spätfröste richteten kaum Schaden an, klassische Frühjahrsprobleme spielten dieses Jahr keine nennenswerte Rolle. Der niedrige Pilzdruck zog sich durch die gesamte Vegetationsperiode, eine Folge der anhaltend trockenen Witterung, was den Winzern eine außergewöhnlich gesunde Ernte sicherte. Hitze und Trockenheit prägten den Sommer, ohne die punktuellen Extremspitzen des Vorjahres. Flachgründige Lagen kämpften mit Trockenstress, in den Hauptgebieten überwog der Eindruck einer kontrollierten, gleichmäßigen Reife. Ab dem 17. August begann die Lese, einer der frühesten Erntestarts, die je dokumentiert wurden.

Beim Ertrag bricht 2020 mit den üblichen Mustern. Der vom CIVC bestimmte Höchstertrag wurde aufgrund des pandemiebedingten Markteinbruchs auf 8.000 kg/ha reduziert. Dies war kommerziell motiviert, nicht durch das Lesegut bedingt. Die Trauben kamen mit hoher Reife, intakter Säure und gesundem Zustand in die Kelter.

Chardonnay zeigt klare Konturen, kristalline Frucht und mineralische Tiefe. Pinot Noir gewinnt durch die frühe Lese an Substanz und festigt seine phenolische Struktur, ohne schwer zu werden. Meunier präsentiert sich rund und füllig, säuretechnisch etwas weicher als die anderen beiden Sorten.

Die Côte des Blancs und Montagne de Reims liefern die homogensten Ergebnisse, mit präzisen Chardonnays beziehungsweise tiefgründigen Pinot Noirs. Im Vallée de la Marne sorgte der geringe Pilzdruck für sehr bis hervorragende Qualität. Sehr früh wurde an der Côte des Bar gelesen und überaus gesundes Lesegut mit hoher Reife und intakter Säure eingebracht. Es entstanden konzentrierte Pinot Noir mit gutem Reifepotenzial.

Unter dem Strich ist 2020 ein konzentrierter, klar gezeichneter Jahrgang mit gutem Lagerpotenzial.

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Jahrgang 2019

Die Jahrgänge in der Champagne
Der Jahrgang 2019 zählt zu den qualitativ stärksten der jüngeren Champagne-Geschichte. Nach einem milden Winter blieben klassische Aprilfröste weitgehend aus, einzelne Maifröste verursachten nur lokale Schäden. Der Sommer brachte zwei ausgeprägte Hitzewellen Ende Juni und Ende Juli mit Spitzentemperaturen jenseits der 40 Grad. Trockenheit und Sonnenbrand reduzierten die Erntemenge, vor allem bei Chardonnay in Südlagen. Der Pilzdruck blieb wegen der trockenen Witterung sehr gering, das Lesegut kam gesund in die Kelter. Die Lese begann je nach Unterregion um den 10. September.

Quantitativ blieb 2019 unter den Erwartungen, qualitativ liegt er klar darüber. Der vom Verband für 2019 festgelegte Höchstertrag lag bei 10.200 kg/ha. Die Trauben erreichten ausgeprägte Reifegrade bei zugleich bemerkenswert lebendiger Säure, eine in Hitzejahrgängen seltene Kombination, die den eigentlichen Wert des Jahrgangs ausmacht.
Pinot Noir gelang herausragend, mit Tiefe, präziser Frucht und reifem Tannin, einer der stärksten Auftritte der Sorte in der jüngeren Vergangenheit. Chardonnay zeigte sich vielschichtig und mineralisch, sofern Sonnenbrand vermieden werden konnte. Meunier reifte stoffig und ausgewogen aus, mit mehr Substanz als in kühleren Jahren.

Die Montagne de Reims liefert mit ihren Pinot-Noir-Lagen die stärksten Ergebnisse. Die Côte des Blancs bringt sehr gute Chardonnay hervor, mit lokalen Einbußen durch Sonnenbrand in stark exponierten Parzellen. Das Vallée de la Marne profitierte vom geringen Pilzdruck und brachte solide bis sehr gute Qualitäten. Hitze und Trockenheit prägten auch die Côte des Bar, mit lokalen Sonnenbrandschäden auf exponierten Hängen, und sorgten für Pinot Noir mit Substanz und reifem Tannin.

Insgesamt ist 2019 ein konzentrierter und zugleich frischer Jahrgang mit großem Reifepotenzial.

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Jahrgang 2018
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2018 brachte die Champagne den Winzern eine Konstellation, die sie nur selten erleben: außergewöhnliche Erntemengen bei zugleich erstklassiger Qualität und durchweg gesundem Lesegut. Der Winter verlief mild und sehr feucht, was die Wasserspeicher der Böden gut auffüllte. Das Frühjahr blieb von größeren Frostereignissen verschont, der Austrieb erfolgte zeitgleich und gleichmäßig. Der Sommer setzte heiß und niederschlagsarm ein, ohne die punktuellen Extremspitzen späterer Jahre. Der Pilzdruck blieb über die gesamte Vegetationsperiode niedrig. Lokale Hagelereignisse waren auf begrenzte Bereiche beschränkt. Die Lese begann je nach Region ab dem 20. August.

Quantitativ war 2018 außergewöhnlich, einer der mengenstärksten Jahrgänge der jüngeren Geschichte. Der vom Verband festgesetzte Höchstertrag lag bei 10.800 kg/ha. Qualitativ erreichten die Trauben volle phenolische Reife bei zugleich überraschend gut erhaltener Säure, eine Kombination, die diesen Jahrgang in Erinnerung halten wird.

Pinot Noir gelang besonders überzeugend, mit Tiefe, klarer Frucht und reifer phenolischer Struktur. Chardonnay zeigt sich vielschichtig und präzise, mit guter mineralischer Spannung in den besten Lagen. Meunier reifte voll und ausgewogen aus, mit mehr Biss als in den meisten Jahrgängen.

Die Montagne de Reims liefert die stärksten Pinot Noirs, die Côte des Blancs herausragende Chardonnays. Das Vallée de la Marne profitierte vom gleichmäßigen Reifeverlauf und brachte breit überzeugende Qualitäten. Die Côte des Bar nutzte den warmen Verlauf für reife, fülligere Pinot Noirs, mit überdurchschnittlicher Ernte und solider bis sehr guter Qualität.

Stilistisch ergeben sich konzentrierte, ausgewogene und reifefreudige Champagner mit voller Frucht, ausreichend Säure und großem Lagerpotenzial. Dass zahlreiche Häuser 2018 als Millésime deklarieren, unterstreicht den Status als großen Jahrgang.

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Jahrgang 2017
Die Jahrgänge in der Champagne

2017 zählt zu den herausforderndsten Jahrgängen der jüngeren Vergangenheit, geprägt von einer der schwersten Frostnächte seit Jahrzehnten und einer feucht-instabilen Spätphase vor der Lese. Auf einen kalten Winter folgte ein mildes Frühjahr mit frühem Austrieb. In der Nacht vom 26. auf den 27. April brach ein schwerer Frost über weite Teile der Champagne herein, der die Côte des Bar besonders heftig traf und auch an der Marne beträchtliche Schäden hinterließ. Der Sommer setzte warm ein, kippte aber im Juli und August in eine feuchte, gewittrige Phase. Die hohe Feuchtigkeit kurz vor und während der Lese begünstigte Botrytis, was rigorose Selektion erforderlich machte. Die Lese begann je nach Bereich ab dem 28. August.

Quantitativ blieb 2017 durch Frostverluste und Fäulnis spürbar unter dem Potenzial. Der vom CIVC festgelegte Höchstertrag für 2017 lag bei 10.300 kg/ha. Qualitativ ist 2017 ein klassischer Selektionsjahrgang, dessen Endergebnis stark von der Konsequenz im Weinberg und der Sortiertaktik abhing.

Chardonnay zeigt sich als stabilste Sorte, mit klarer Frucht und solider Säure in den disziplinierten Betrieben. Pinot Noir litt unter wechselhafter Reife und Fäulnisdruck. Meunier traf es als botrytisanfälligste Sorte besonders hart, mit deutlichen Ausfällen bei Menge und Traubengesundheit.

Die Côte des Blancs kam am besten durch, mit präzisen Chardonnay aus den Top-Lagen. Die Montagne de Reims streut stark, vor allem bei Pinot Noir. Das Vallée de la Marne litt überdurchschnittlich unter Botrytis. Die Côte des Bar wurde vom Aprilfrost am härtesten getroffen, mit dramatischen Ertragsverlusten und schwankender, teils sehr guter Qualität.

Stilistisch ergeben sich eher schlanke, frühreife Champagner mit moderatem Körper, in den besten Beispielen frisch und animierend, in der Breite ohne große Reifeperspektive. 

Die Jahrgänge in der Champagne

 

Jahrgang 2016

Die Jahrgänge in der Champagne

2016 ist die Geschichte eines geretteten Jahrgangs: Ein trocken-warmer Sommer und Frühherbst korrigierten, was Frühjahr und Frühsommer angerichtet hatten. Auf einen milden Winter folgte ein ungewöhnlich nasses, kühles Frühjahr. In den Nächten vom 26. auf den 27. April traf ein verbreiteter Spätfrost die Champagne, mit besonderer Härte an der Côte des Bar und in flachen Lagen der Marne. Anschließend ließ ausgedehnte Feuchtigkeit den Peronospora-Druck stark anschwellen, lokale Hagelereignisse im Mai und Juni verschärften die Lage zusätzlich. Ab Juli kippte das Wetter in einen heißen, trockenen Modus, der die verbliebenen Trauben gesund ausreifen ließ. Die Lese begann je nach Bereich um den 10. bis 13. September.

Quantitativ blieb 2016 durch Frost, Pilzdruck und Hagel erheblich unter dem Potenzial. Der Höchstertrag wurde vom Verband auf 9.700 kg/ha festgelegt. Qualitativ profitierte 2016 entscheidend von der späten Trockenphase, die einen weitgehend sauberen Lesegutzustand sicherstellte.

Chardonnay zeigt sich als stabilste Sorte, mit klarer Frucht und gut erhaltener Säure. Pinot Noir streut spürbar zwischen den Betrieben, abhängig von der Konsequenz im Rebschutz. Meunier traf es als pilz- und frostanfälligste Sorte besonders hart.

Die Côte des Blancs kam am besten durch, mit präzisen, säurebetonten Chardonnays. In der Montagne de Reims schwanken die Pinot Noirs je nach Lage und Handschrift. Das Vallée de la Marne litt sichtbar unter Frost und Mehltau. Die Côte des Bar wurde durch Frost und mehrere Hagelschläge besonders schwer getroffen, mit drastischen Ertrags- und Qualitätseinbußen.

Stilistisch ergeben sich klassisch geprägte Champagner mit guter Säurespannung, mittlerer Substanz und solidem, wenn auch nicht herausragendem Reifepotenzial. Einzelne Häuser deklarieren 2016 als Millésime, in der Breite fließt das Lesegut in Assemblagen.

Die Jahrgänge in der Champagne

 

Jahrgang 2015
Die Jahrgänge in der Champagne

Über den Jahrgang 2015 sind sich die Beobachter bis heute nicht ganz einig: Manche feiern die Reife und Konzentration, andere vermissen die für Champagne typische Spannung. Auf einen milden Winter folgten ein trockenes Frühjahr und ein heißer, niederschlagsarmer Sommer mit einer markanten Hitzewelle im Juli, die in einzelnen Lagen Trockenstress auslöste. Mitte August setzten Niederschläge ein, die den Reifeverlauf belebten, in feuchteren Gebieten aber auch Botrytis-Druck aufbauten. Lokale Hagelereignisse betrafen Teile der Aube und der Marne. Der Pilzdruck blieb über die Saison hinweg moderat. Die Lese begann je nach Bereich in der ersten Septemberwoche.

Quantitativ war 2015 ein solider, zufriedenstellender Jahrgang. Der Verband verkündete einen Höchstertrag von 10.500 kg/ha. Qualitativ erreichten die Trauben hohe Mostgewichte, die Säure fiel je nach Lese-Zeitpunkt aber niedriger aus als in klassisch kühlen Jahrgängen.

Pinot Noir gelang besonders überzeugend, mit Tiefe, klarer Frucht und reifem Tannin, gerade auch für die stillen Rotweine (Coteaux Champenois). Chardonnay zeigt sich kräftig und reif, in manchen Beispielen mit weniger Frische, als die Sorte sonst auszeichnet. Meunier reifte stoffig aus, mit guter Substanz.

Die Montagne de Reims liefert die stärksten Pinot Noirs des Jahrgangs. Die Côte des Bar profitierte ebenfalls vom warmen Verlauf, mit reifen, fülligen Pinot Noirs. Die Côte des Blancs brachte gute, aber stilistisch teils ungewohnte Chardonnays hervor. Das Vallée de la Marne lieferte solide Qualitäten, je nach Hagelbetroffenheit unterschiedlich in der Menge.

Stilistisch sind 2015er Champagner reif, füllig und alkoholbetont, mit gutem Reifepotenzial, aber weniger ausgeprägter Frische als die kühleren Jahrgänge.

Die Jahrgänge in der Champagne

  

Jahrgang 2014
Die Jahrgänge in der Champagne

Selten waren die Qualitätsunterschiede zwischen den Rebsorten innerhalb eines Jahrgangs so ausgeprägt wie 2014. Auf einen milden Winter folgte ein warmes Frühjahr mit zeitigem Austrieb. Der Sommer verlief uneinheitlich, mit kühlen und feuchten Phasen vor allem im August. Das wechselhafte Spätsommerwetter begünstigte den Befall der Kirschessigfliege Drosophila Suzukii, die an den dunkelbeerigen Sorten Pinot Noir und Meunier teils erhebliche Schäden anrichtete. Der September brachte eine willkommene Trockenphase, die einer kontrollierten Lese den Weg ebnete. Die Lese begann je nach Unterregion um den 10. September.

Quantitativ lag 2014 im moderaten Bereich. Bei 10.500 kg/ha lag der Höchstertrag für die Region. Qualitativ hängt die Bewertung stark davon ab, welche Sorte und welche Unterregion betrachtet wird, ein einheitliches Urteil über den Gesamtjahrgang verbietet sich.

Chardonnay gelang bestens und liefert die qualitativ überzeugendsten Ergebnisse, mit klarer Frucht, präziser Säure und guter mineralischer Spannung. Pinot Noir litt unter Drosophila-Schäden, die akribische Selektion erforderten. Meunier traf es als besonders anfällige Sorte am härtesten, mit deutlichen Ausfällen bei Menge und Reinheit.

Die Côte des Blancs ist der eigentliche Gewinner des Jahrgangs, mit überzeugenden Chardonnays aus den Top-Lagen. In der Montagne de Reims streuen die Pinot Noirs spürbar, abhängig von Drosophila-Befall und Sortiertaktik. Das Vallée de la Marne wurde durch hohen Meunier-Anteil und Drosophila-Druck besonders getroffen. Auch an der Côte des Bar gab es zahlreiche Probleme mit der Kirschessigfliege. Mit entsprechender Selektion konnte jedoch gute bis sehr gute Weine hervorgebracht werden.  

Stilistisch werden die 2014er Chardonnay-dominierten Champagner präzise, animierend und mit gutem Reifepotenzial ausfallen, während die von roten Sorten dominierten Cuvées unter wechselnder Qualität leiden.

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Jahrgang 2013
Die Jahrgänge in der Champagne

Das Jahr 2013 markiert in der jüngeren Champagne-Geschichte einen der spätesten Lesetermine und steht für eine klassisch kühle Stilistik, die in der nachfolgenden Serie warmer Jahre zur Ausnahme geworden ist. Ein langer, kalter Winter verzögerte den Austrieb deutlich. Das Frühjahr blieb kühl und nass, was die Blüte unter ungünstige Bedingungen setzte und in vielen Lagen Coulure auslöste, also schlechten Beerenansatz mit entsprechenden Ertragsverlusten. Der Sommer verlief uneinheitlich, mit einer wärmeren Phase im Juli und einem eher kühlen August. Der Pilzdruck blieb beherrschbar. Eine sonnige, trockene Spätphase im September rettete die Reife. Die Lese begann je nach Unterregion erst Ende September bis Anfang Oktober.

Quantitativ blieb 2013 durch Coulure unter dem Potenzial, also deutlich unter dem auf 10.500 kg/ha festgelegten Maximum. Qualitativ überzeugt 2013 durch gut erhaltene Säure, moderate Alkoholgrade und klare Stilistik, ein Profil, das in den Hitzejahrgängen danach selten wurde.

Chardonnay zeigt sich präzise, mit straffer Säurestruktur und mineralischer Tiefe. Pinot Noir streut je nach Coulure-Betroffenheit und Lese-Disziplin spürbar. Meunier reifte ausgewogen aus, mit eher schlanker Substanz und guter Frische.

Die Côte des Blancs ist der eigentliche Lichtblick mit herausragenden Chardonnays aus den Top-Lagen. Die Montagne de Reims liefert solide bis sehr gute Pinot Noirs, je nach Lage und Coulure-Schaden. Das Vallée de la Marne brachte solide Qualitäten bei reduzierter Menge hervor. Die Côte des Bar konnte einen guten bis sehr guten, klassischen Jahrgang einfahren. 

Stilistisch entstehen aus 2013 schlanke, säurebetonte und langlebige Champagner mit klassischer Champagne-Handschrift, ein Jahrgang für Liebhaber des kühlen Stils und mit Reifepotenzial über zehn Jahre hinaus.

 

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Jahrgang 2012

Die Jahrgänge in der Champagne

Das Jahr 2012 verlangte den Winzern zunächst alles ab und belohnte sie am Ende mit einem der größten Jahrgänge der jüngeren Vergangenheit. Nach einem kalten Winter setzte ein ungewöhnlich kühles, nasses Frühjahr ein. Lokale Aprilfröste hinterließen in einzelnen Lagen Schäden, die Blüte verlief unter ungünstigen Bedingungen mit deutlicher Coulure (schlechter Beerenansatz mit entsprechenden Ertragsverlusten) und Millerandage (ungleichmäßige Beerengröße). Im Juni und Juli traten lokale Hagelereignisse auf, die in einzelnen Gebieten zusätzliche Verluste verursachten. Ab Mitte Juli kippte das Wetter in einen heißen, trockenen Modus, der bis zur Lese anhielt. Der ausgedehnt trockene Spätsommer ließ die kleinen, konzentrierten Beeren langsam und gleichmäßig ausreifen, der Pilzdruck blieb beherrschbar. Die Lese begann je nach Unterregion um den 12. September.

Quantitativ blieb 2012 durch Frost, Coulure und Hagel deutlich unter dem Potenzial. Laut dem Verband durften maximal 11.000 kg/ha geerntet werden. Qualitativ erreichte der Jahrgang eine seltene Kombination aus hoher Konzentration, voller phenolischer Reife und gut erhaltener Säure.

Chardonnay zeigt herausragende Tiefe, kristalline Frucht und mineralische Spannung. Pinot Noir gedieh mit reifer Substanz, präziser Frucht und feinen Tanninen. Meunier reifte stoffig und harmonisch aus, mit mehr Charakter als in vielen anderen Jahrgängen.

Die Côte des Blancs liefert phänomenale Chardonnays, die Montagne de Reims ebenso überzeugende Pinot Noirs. Die Vallée de la Marne brachte solide bis sehr gute Qualitäten, je nach Hagelbetroffenheit. Die Côte des Bar nutzte den warmen Spätsommer für reife, ausgewogene Pinot Noirs.

Stilistisch ergeben sich konzentrierte, balancierte und sehr langlebige Champagner mit ausgeprägter Reifeperspektive über fünfzehn Jahre und mehr. 

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Bewertung älterer Jahrgänge

Für die Jahre vor 2008 haben wir keine ausführlichen Einzelbeschreibungen erstellt, sondern listen sie mit einer einfachen Sterne-Einschätzung als schnelle Orientierung. Eine Ausnahme bildet der Jahrgang 2008: Er gilt unter Kennern als so herausragend, dass wir ihn wie die aktuelleren Jahrgänge im Detail beschrieben haben.

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Jahrgang 2008
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Kaum ein Jahrgang der letzten zwei Jahrzehnte wird unter Kennern so einhellig hoch eingeschätzt wie 2008. Auf einen normalen Winter folgte ein kühles, eher feuchtes Frühjahr. Die Blüte verlief verhältnismäßig spät, aber unter ungestörten Bedingungen. Der Sommer blieb durchgehend kühl und unspektakulär, mit häufigen Bewölkungsphasen und einer besonders kühlen Augustphase. Diese verhaltene Vegetationsperiode legte den Grundstein für die hohe Säure, die den Jahrgang später charakterisieren sollte. Im September drehte das Wetter auf trocken, sonnig und gemäßigt warm. Diese späte Schönwetterphase ermöglichte eine ruhige, vollständige Reife. Der Pilzdruck blieb über die Saison hinweg moderat. Die Lese begann je nach Unterregion um den 15. September.

Quantitativ war 2008 ein großzügiger Jahrgang. Der Höchstertrag wurde vom Champagner-Verband auf 12.000 kg/ha festgelegt. Qualitativ vereint 2008 reife Frucht mit ungewöhnlich hoher Säurespannung und niedrigem pH-Wert, eine Konstellation, die das außergewöhnliche Lagerpotenzial begründet.

Chardonnay zeigt brillante Präzision, kristalline Frucht und tiefe mineralische Spannung. Pinot Noir gelang mit Substanz, klarer Frucht und reifem, feinem Tannin. Meunier reifte ausgewogen aus, mit guter Frische und mittlerer Substanz.

Die Côte des Blancs lieferte exzellente, lagerfähige Chardonnays. Die Montagne de Reims überzeugte mit ausdrucksstarken Pinot Noirs. Das Vallée de la Marne brachte solide Qualitäten mit gutem Säuregerüst. In der Côte des Bar entstanden reife und ausgewogene Pinot Noirs mit klassisch frischer Stilistik.

Stilistisch ergeben sich klassisch geprägte, säurebetonte und außergewöhnlich langlebige Champagner mit ausgeprägter Reifeperspektive von zwanzig Jahren und mehr. 

Die Jahrgänge in der Champagne


Jahrgängen 2007 und älter
 

Die Jahrgänge in der Champagne
 

Bernhard Meßmer
Über den Autor

Bernhard Meßmer

Bernhard Meßmer ist der Gründer der Münchner Weinschule „einfach geniessen“ und dem dazugehörigen Onlineshop einfachweinkaufen.de. Eine der Lieblingsbeschäftigungen des Sohns der VDP-Winzerfamilie Meßmer in der Pfalz, ist das Aufstöbern von spannenden Charakterweinen, die faszinieren. Seine besondere Leidenschaft gilt dem Champagner. Seit Jahren bereist er die Region sehr intensiv, um immer wieder neue Spitzenproduzenten zu finden und direkt zu importieren. Sein Engagement wurde auch durch den Gewinn des Wettbewerbs Champagner Botschafter Deutschland 2016 bestätigt. Außerdem ist Bernhard certified WSET-Educator sowie WSET Diploma Holder, und auch Geschäftsführer des Weininstituts München.

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