Auf einem Hügel im Norden des Chianti Classico, über einem Bergsporn, an dem zwei Bäche zusammenfließen, errichtete die Florentiner Familie Bardi im 14. Jahrhundert ein befestigtes Landgut. Die Fattoria Cigliano di Sopra in San Casciano in Val di Pesa gehört seit den 1930er Jahren der Familie von Maddalena Fucile. In der Kapelle des Anwesens wurde sie getauft, in der historischen Villa lebt die Familie bis heute. Gemeinsam mit ihrem Studienfreund Matteo Vaccari führt Maddalena das Weingut.
Beide lernten ihr Handwerk in Florenz, arbeiteten bei toskanischen Häusern wie Fontodi und Isole e Olena und gingen anschließend nach Kalifornien zu Rajat Parr und Sashi Moorman. Von den 32 Hektar des Anwesens tragen 8 Hektar Reben und 17 Hektar Oliven, der Rest ist Park und Wald. Die Weinberge teilen sich in viele kleine Parzellen mit unterschiedlichen Böden und Ausrichtungen, die Maddalena und Matteo getrennt lesen und vinifizieren. Im Zentrum steht Sangiovese.
Warum Cigliano di Sopra?
Maddalena und Matteo haben aus einem Weingut, dessen Ernte jahrzehntelang im Fass an umliegende Kellereien ging, in wenigen Jahren eine Adresse gemacht, über die internationale Kritiker schreiben. Aus Kalifornien brachten sie die Überzeugung mit, dass wahre Herkunft Zurückhaltung im Keller verlangt. Ihr Chianti Classico zeigt, wohin das führt. Er ist bereits früh zugänglich und reift dennoch über Jahre. Uns überzeugt, wie genau die beiden ihre Parzellen kennen und wie behutsam sie den Sangiovese ausbauen. Die Mengen bleiben klein, unsere jährliche Zuteilung auch. Jeden neuen Jahrgang erwarten wir mit Spannung!
Die Weine
Den Einstieg macht Ciglianello, ein Toscana Rosso, in dem Sangiovese, Canaiolo und Colorino zu etwa gleichen Teilen zusammenkommen. Die Trauben vergären als ganze Beeren, anschließend reift der Wein im Zementtank und kommt saftig und mit weichem Gerbstoff ins Glas. Das Herzstück des Hauses ist der Chianti Classico aus den Parzellen Valloni und Sottobosco. Die ältesten Reben stammen aus den frühen 1980er Jahren und wurzeln in zwei sehr verschiedenen Böden. Valloni bringt Sand und Ton mit, Sottobosco kalkreiche Erde mit hohem Eisengehalt. Ein kleiner Teil der Ernte vergärt mit ganzen Trauben. Matteo beschreibt die Idee dahinter so: Der Wein soll nach anderthalb Jahren auf dem Tisch stehen und trotzdem über viele Jahre reifen können.
Chianti Classico Riserva Vigneto Branca stammt aus einer einzigen Parzelle, die 1972 gepflanzt wurde und am wärmsten Ende des Weinguts liegt. Der Boden aus Sand, Ton, Kalk und Kieseln erinnert die beiden an Châteauneuf-du-Pape. Maddalena und Matteo vergären hier mit ganzen Trauben, der Stielanteil gibt dem Sangiovese eine kühle Würze und straffen Halt. Der Ausbau erfolgt in gebrauchtem Holz, abgefüllt wird ohne Filtration. Schon der erste Riserva erschien in winziger Menge und brachte dem Betrieb hohe internationale Bewertungen ein. Gegenüber dem Chianti Classico wirkt er konzentrierter und braucht mehr Luft, trägt aber dieselbe Handschrift mit markanter Säure und feinem Tannin.
Weinberg & Keller
Die Weinberge sind biologisch zertifiziert, außerdem setzen Maddalena und Matteo biodynamische Präparate wie Hornmist und Hornkiesel ein und richten sich bei vielen Arbeiten nach dem Mondkalender. Den Boden bearbeiten sie nur einmal im Jahr nach der Ernte, und auch dann nur in jeder zweiten Rebzeile, um die Struktur zu schonen. Zwischen den Reben blühen eingesäte Wildblumen, am Rand stehen Bienenstöcke. Gelesen wird von Hand in den kühlen Morgenstunden, jede Parzelle einzeln. Nur die besten Partien füllen sie selbst ab, der Rest geht an Kellereien der Umgebung. Im Keller unter den Gemäuern aus dem 14. Jahrhundert vergären die Trauben spontan, als ganze Beeren und teils samt Stielgerüst. Die Maische liegt mehrere Wochen in offenen Behältern auf den Schalen. Anschließend reifen die Weine in gebrauchten Tonneaux und Barriques, Ciglianello reift stattdessen gut ein Jahr im Zementtank. Filtriert wird nicht, Schwefel setzen die beiden sparsam ein.
| Name | Fattoria Cigliano di Sopra |
|---|---|
| Winzer | Matteo Vaccari |
| Ort | San Casciano in Val di Pesa |
| Bewirtschaftung | biologisch, biodynamische Prinzipien (ohne Zertifizierung) |
| Zertifizierung | EU Bio-Siegel |
| Gären | spontane Gärung |
| Ausbau | Verzicht auf Filtration, minimale Schwefelzugabe |
| Lagerung | gebrauchte Holzfässer, Zementtanks, Edelstahltanks |
| Betriebsgröße | 8 Hektar |
| Produktion | 10.000 Flaschen |