Hanspeter Ziereisen hat den Wein spät für sich entdeckt. Bis Anfang der neunziger Jahre trank er nach eigener Aussage vor allem Bier, gelernt hatte er Schreiner. Als seine Eltern 1991 ihren Gemischtbetrieb mit Schweinen, Kühen und 0,5 Hektar Reben aufgaben, wollte keines der Kinder weitermachen. Angesteckt von einem weinbegeisterten Nachbarn sprang Hanspeter ein und nahm sich vor, aus dem Hof ein Weingut zu machen. Der erste Jahrgang 1993 ergab 6.000 Flaschen.
Was folgte, war Kleinarbeit: Parzelle für Parzelle kaufte und pachtete er hinzu, oft die steilen Lagen rund um Efringen-Kirchen, die für andere als unrentabel galten. Heute bewirtschaftet er mit seiner Frau Edeltraud und den Kindern Ida und Johann rund 20 Hektar im Markgräflerland, kurz vor der Schweizer Grenze. Von Anfang an wollte er keine gefälligen Weine machen. Diese Haltung brachte ihm zunächst Widerstand ein, machte ihn aber mit den Jahren zu einem der eigenständigsten Winzer Badens.
Warum Ziereisen?
Die Weine von Hanspeter Ziereisen passen in keine Schublade, und genau das schätzen wir. Weil sie nicht ins klassisch deutsche Profil passten, ließ die amtliche Prüfung sie lange nur als Landwein zu. Hanspeter blieb jedoch dabei, heute ist die Einstufung bewusste Wahl und der Name eine Marke. Im Glas heißt das Klarheit, eine kühle, fast salzige Mineralität und eine Spannung, die sich erst am Gaumen entfaltet. Dazu kommt eine Textur, die man förmlich kaut, statt nur zu trinken. Nebenbei beweist das Weingut, was Spätburgunder in Baden kann, dort, wo sich das Markgräflerland mit Rotwein schwertut.
Die Weine
Hanspeters Herz schlägt für Spätburgunder, rund die Hälfte der Reben ist mit ihm bestockt. Schon die Gutsweine tragen die Handschrift des Hauses und charmante alemannische Namen. Der Gutedel Heugumber gehört dazu, ebenso der Rosé Schmätterling und der Sekt Ohrechrübler, ein leichter Rosé aus Regent mit etwas Spätburgunder, der nach zweiter Flaschengärung feine Briochenoten zeigt. Heugumber gibt es auch in Rot, einmal klassisch und einmal als Macération carbonique. Daneben stehen Grauer und Weißer Burgunder, Chardonnay und Gewürztraminer. Eine echte Herzensangelegenheit ist der Gutedel, in der Schweiz als Chasselas bekannt und in Baden fast vergessen. Für ihn kämpft Hanspeter seit Jahren um neues Ansehen.
Eine Stufe darüber stehen die Lagenweine. Sie tragen alte Gewannnamen, inzwischen zu Kürzeln verknappt, etwa S für Schulen, RH für Rhini, GE für den Syrah aus dem Gestad oder LÜ für den Weißen Burgunder aus dem Lügle. Jede Parzelle bringt ihren eigenen Charakter, kein Jahrgang gleicht dem anderen. Die Schätze des Weinguts laufen unter der Linie Jaspis, benannt nach einem Edelstein aus den Weinbergen, und entstehen nur in guten Jahren aus alten Reben. Dazu zählen Zipsin vom Pinot Noir, Däublin vom Syrah und Nägelin vom Chardonnay. Den Gipfel beim Pinot bildet 10 hoch 4, dessen Name auf die Pflanzdichte von rund 10.000 Stöcken je Hektar anspielt. Die Jaspis-Weine reifen über Jahre und gewinnen an Tiefe.
Weinberg & Keller
Der größte Teil der Weinberge liegt im Efringer Ölberg. Die Böden bestehen dort aus Jurakalk, wie man ihn sonst nur von der Côte d'Or kennt und in Deutschland nur selten findet. Darüber liegt eine Lössauflage mit Eisenanteilen, die den Weinen Kühle und Finesse gibt. Auch das Klima hilft mit, denn Efringen-Kirchen liegt der Burgundischen Pforte gegenüber, dem Tor zwischen Vogesen und Jura, durch das milde Luft ins Oberrheintal weht. Die Niederschläge sind gering, ideale Bedingungen für Pinot Noir.
Im Weinberg geschieht fast alles von Hand, allen voran die Lese. Hanspeter arbeitet naturnah und greift in die Reben so wenig wie möglich ein. Im Keller setzt er vor allem auf Zeit. Die Weine vergären spontan und reifen danach bis zu 24 Monate auf der Hefe, ausschließlich in Holzfässern zwischen 225 und 4.000 Litern Größe aus der Büttnerei von Andreas Assmann. Er füllt sie minimal geschwefelt und meist unfiltriert ab.
| Name | Weingut Ziereisen |
|---|---|
| Winzer | Hanspeter Ziereisen |
| Ort | Efringen-Kirchen |
| Bewirtschaftung | naturnah |
| Gären | spontane Gärung |
| Ausbau | ausgedehntes Hefelager, Verzicht auf Filtration und Schönung, minimale Schwefelung |
| Lagerung | teils große und kleine Holzfässer |
| Betriebsgröße | 20 Hektar |
| Produktion | 115.000 Flaschen |