Coteaux Vitryats: straffe, mineralische Blanc de Blancs aus vergessener Champagner-Enklave
Antoine Chevalier gilt als einer der vielversprechendsten Aufsteiger der Champagne. In der Coteaux Vitryats, einem kleinen Teilgebiet zwischen Marne und Aube, erzeugt er Champagner von seltener Klarheit. Seine Blanc de Blancs sind frisch, kraftvoll und von kristalliner Mineralität geprägt. Der fast weiße Kreideuntergrund der Region verleiht ihnen eine tiefe, salzige Struktur, die Handschrift ist konsequent puristisch. Antoine startete 2016 mit seinem ersten Jahrgang, nachdem er über neun Jahre als Berater für Winzer gearbeitet hatte. Er übernahm die Reben seines Vaters, ließ das Weingut nach Bio- und Demeter-Standard zertifizieren und entwickelte eine klare Vision: straffe, mineralische Einzellagenchampagner, die ihr einzigartiges Terroir ungeschminkt zum Ausdruck bringen. Mit 2,5 Hektar auf zehn Parzellen verteilt, arbeitet er in einer fast vergessenen Region, die erst in den 1970er Jahren wieder in die Champagne-Appellation aufgenommen wurde. Authentisches, kompromissloses Handwerk mit großem Potenzial!
Wenn man von den bekannten Champagnerdörfern im Norden Richtung Südosten fährt, verwandelt sich die Landschaft. Endlose Weizenfelder dominieren die Landschaft, dann erheben sich plötzlich Hügel aus der Ebene. Hier, auf den kreidereichen Südhängen unterhalb des Mont de Fourche, liegen die 2,5 Hektar von Antoine Chevalier, verteilt auf die Gemeinden Vitry-en-Perthois, Couvrot und Val-de-Vière. Die Geschichte seiner Familie in dieser abgelegenen Region beginnt 1925, als Antoines Großvater Guy, Landwirt und Viehzüchter, erste Rebflächen erwarb. 1973 pflanzte er weitere Weinberge und gründete die Winzerkooperative Bassuet, die für Jahrzehnte ein wichtiger Traubenlieferant großer Champagnerhäuser werden sollte. Antoines Vater Dominique führte die Mischwirtschaft fort und verkaufte die Trauben. Antoine selbst teilte den Betrieb mit seinem Bruder auf. Sein Bruder übernahm die Felder, Antoine die Reben. Nach seinem Studium am Lycée Viticole in Avize 2014 und mehr als neun Jahren als Berater für Winzer kehrte er zurück und vinifizierte 2016 seinen ersten Jahrgang. Gemeinsam mit seiner Partnerin Aurore baut er seitdem ausschließlich Jahrgangschampagner aus.
Die Coteaux Vitryats, eine winzige Subregion mit nur 480 Hektar, war einst bedeutend. 1837 umfasste sie 4.000 Hektar der damaligen Rebfläche der Champagne und lag als Handelskreuzung zwischen dem Königreich Frankreich und dem Germanischen Reich strategisch günstig an der Marne. Reblaus, Weltkriege und Wirtschaftskrise löschten das Weinbaugebiet nahezu vollständig aus. Erst in den 1970er Jahren wurde die Region wieder in die Appellation Champagne aufgenommen. Heute bewirtschaften in 15 Dörfern nur noch 12 eigenständige Winzer, eine Genossenschaft und zwei kleine Häuser insgesamt 480 Hektar, die fast ausschließlich mit Chardonnay bestockt sind. Die Böden bestehen aus verschiedenen Kreideschichten aus dem mittleren bzw. oberen Turonium, geformt vor 65 bis 90 Millionen Jahren. Diese fast weiße Kreide tritt vielerorts direkt unter der Oberfläche zutage und verleiht den Champagnern eine tiefe mineralische Prägung. Die wärmere Südausrichtung bringt mehr Körper und reiferen Fruchtcharakter als an der östlich orientierten Côte des Blancs, während die Mineralität weniger scharf und dafür tiefer wirkt.

Antoine Chevalier arbeitet mit einer Konsequenz, die in der Champagne selten ist. Bereits 2014 verzichtete er vollständig auf Herbizide und Pestizide. 2016 erhielt das Weingut die HVE-Zertifizierung, 2020 folgte die Bio-Zertifizierung und 2021 schließlich die biodynamische nach Demeter. Jede seiner zehn Parzellen vinifiziert er separat, um deren individuellen Charakter zu bewahren. Diese puristische Philosophie spiegelt sich auch darin wider, dass Antoine ausschließlich Jahrgangschampagner erzeugt: Es gibt keine Assemblage über mehrere Jahre, keine Anpassung an einen Hausstil. Stattdessen werden Ort und Jahrgang in ihrer jeweiligen Eigenheit sichtbar. Seine Einstellung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Der Horizont als Grenze.“ Es ist eine Haltung, die zugleich Demut vor der Natur und die Bereitschaft zur radikalen Eigenständigkeit ausdrückt. Was Antoine in dieser abgelegenen Region macht, ist authentisches, kompromissloses Handwerk. Seine Vision sind straffe, klare und mineralische Blanc de Blancs-Champagner, die sein Terroir ohne Umschweife zum Ausdruck bringen.

Ovoide wird in eiförmigen Betongefäßen ausgebaut, deren Form eine natürliche Bewegung der Feinhefe begünstigt und eine sanfte Mikrooxigenation erlaubt. Der Champagner entwickelt dadurch eine besondere Textur und verbindet Präzision mit einer cremigen Fülle. Carkonnia „Le Jardin de Meunier“ stammt aus der ersten Parzelle, die Großvater Guy 1973 pflanzte. Der Name Carkonnia geht auf die gallorömische Bezeichnung für Vitry-en-Perthois zurück. Der Lagenname „Le Jardin de Meunier“ kann irritieren, denn heute steht dort ausschließlich Chardonnay. Dieser Champagner zeigt sich frisch, straff, kraftvoll und mineralisch. Tecta Silva „Les Renardes a Couvrot“ stammt aus einer im Jahr 2000 gepflanzten Lage in Couvrot, wo die Kreide fast kiesig zerfällt. Der Name bezieht sich auf die Geschichte der Kreidesteinbrüche in der Gegend. Antoine füllt ihn komplett ohne Dosage ab. Dieser Champagner zeigt sich strukturierter, salziger und markanter als Carkonnia, mit einer bemerkenswerten Tiefe und Klarheit im Ausdruck. Intégrale ist eine nur in einzelnen Jahrgängen erzeugte Cuvée, die mehrere Parzellen aus Vitry-en-Perthois, Couvrot und Val-de-Vière kombiniert. Sie entsteht ganz ohne zugesetzte Sulfite, ohne Filtration und Schönung. Die Abfüllung erfolgt in extrem limitierter Stückzahl und trägt die Demeter-Zertifizierung. Der Champagner verkörpert Antoines konsequenteste Arbeit.
Neben diesen Champagnern erzeugt Antoine auch einen Côteaux Champenois sowie einen Ratafia.

Die 2,5 Hektar verteilen sich auf zehn Parzellen. Antoine bewirtschaftet sie biodynamisch nach den Richtlinien von Demeter und orientiert sich am Mondkalender. Der Boden wird mechanisch bearbeitet, Biodiversität gezielt gefördert. Das Ziel ist, reife und gesunde Trauben zu ernten, die den Charakter der Region tragen. Im Keller wird jede Parzelle einzeln vinifiziert. Antoine presst die Trauben sehr schonend mit einer alten Coquard-Presse. Nach der Klärung des Mostes erfolgt die spontane Vergärung mit wilden Hefen, den biologischen Säureabbau lässt Antoine zu. Der Ausbau der Grundweine erfolgt in gebrauchten Barriquefässern, Keramikgefäßen, Betoneiern und Edelstahltanks. Diese Vielfalt an Gebinden verleiht den Champagnern mehr Komplexität. Nach zehn Monaten auf der Hefe erfolgt im Juli die Abfüllung für die zweite Gärung in der Flasche. Die Champagner lagern dann im Durchschnitt drei Jahre auf der Hefe, bevor sie degorgiert werden. Die Dosage bleibt minimal oder entfällt ganz. Den Keller prägt Zurückhaltung: Antoine setzt seinen Champagnern keine Sulfite zu, noch filtriert oder schönt er sie. Antoine greift so wenig wie möglich ein und lässt die Champagner ihren eigenen Weg finden.

| Name | Champagne Antoine Chevalier |
|---|---|
| Winzer | Antoine Chevalier |
| Ort | Vitry-en-Perthois, Côteaux Vitryats |
| Bewirtschaftung | biodynamisch |
| Zertifizierung | Demeter, Agriculture Biologique seit 2020 |
| Pressen | alte Coquard-Presse mit 4.000 kg |
| Gären | spontane Gärung |
| Ausbau | 10 Monate auf der Hefe, gelegentlich Battonage, biologischer Säureabbau, keine Zugabe von Sulfiten |
| Lagerung | gebrauchte Barriques, Keramik-Gebinde und Edelstahltanks |
| Betriebsgröße | 2,5 Hektar |
| Produktion | 8.000 Flaschen |