Michel Naddef wollte eigentlich in die Elektronik. Das Informatikstudium brach jedoch ab, wechselte nach Beaune in die Fachrichtung Önologie und schärfte sein Handwerk anschließend bei Comte Georges de Vogüé und der Domaine Bertagna. 2008 kehrte er nach Fixin ins elterliche Weingut zurück, arbeitete 14 Jahre an der Seite seines Vaters Philippe und übernahm den Betrieb, als dieser in den Ruhestand ging.
2022 ging Michel einen Schritt weiter und gründete sein eigenes Label. Es steht für seine Lust, ausgetretene Pfaden zu verlassen, ohne die Herkunft zu verleugnen. Seine Reben liegen in Marsannay, Fixin und Gevrey-Chambertin, den drei nördlichsten Gemeinden der Côte de Nuits, gleich südlich von Dijon. Die Hälfte der Trauben stammt von Familienparzellen, die Michel selbst bewirtschaftet, seine Premier und Grand Crus sogar ausnahmslos. Bei allem anderen kauft er ausschließlich Trauben zu, niemals fertigen Wein, und behält die Arbeit in den Nachbarparzellen genau im Blick. So entstehen Weine, die jung schon Freude machen und trotzdem viele Jahre vor sich haben.
Warum Michel Naddef?
Was Michel Naddef reizvoll macht, ist die Spannung zwischen Herkunft und eigensinnigem Kopf. Er kennt die Côte de Nuits von Kindesbeinen an und hat dennoch das Familienrezept nicht einfach fortgeführt. Seine Weine setzen auf feinkörnige Tannine und Tiefe statt auf Wucht, das neue Holz tritt bewusst zurück, damit die Lage selbst zu Wort kommt. Dass er mit Mazis-Chambertin und Gevrey-Chambertin Les Champeaux ganz oben anfängt und zugleich einen ehrlichen Bourgogne Blanc anbietet, gefällt uns gut. Sie sind früh zugänglich und haben dennoch Reifepotenzial. Große Herkunft, klare Handschrift, kein Pathos.
Die Weine
Den Einstieg ins Sortiment macht Bourgogne Blanc La Champagne, ein Chardonnay ohne neues Holz, der ganz auf Klarheit und Frische setzt. Er zeigt im Kleinen schon, worum es Michel geht, nämlich saubere Frucht und Trinkfluss. Fixin Vieilles Vignes kommt von alten Reben aus dem nördlichen Zipfel der Côte de Nuits und zeigt die herbere, erdigere Seite der Appellation. Fester Kern, balanciertes Gerüst und genug Substanz für einige Jahre auf der Flasche. Jünger und beweglicher gibt sich Marsannay Champs Perdrix, ein Lieu-dit, das als Kandidat für eine künftige Premier-Cru-Einstufung gilt. Hier steht die saftige, fast spielerische Frucht im Vordergrund, ohne dass die Struktur darunter verschwindet.
Eine andere Liga bilden die beiden Spitzenweine. Sie entstehen ausschließlich aus den selbst bewirtschafteten Familienparzellen. Gevrey-Chambertin Premier Cru Les Champeaux stammt aus einem der besten Weinberge oberhalb der Gemeinde und verbindet Tiefe mit feiner Mineralität. Das hier präsentere Holz ist sauber eingebunden und stützt einen langen, ernsthaften Nachhall. Noch eine Stufe höher rangiert Mazis-Chambertin, der einzige Grand Cru im Sortiment. Kraft und Finesse halten sich die Waage, die Tannine sind dicht, aber poliert, und der Wein braucht Zeit, ehe er seine ganze Bandbreite zeigen kann. Beide gehören zu jenen Weinen, die man lieber ein paar Jahre im Keller liegen lässt.
Neben diesem eigenen Projekt führt Michel Naddef zudem das Erbe seines Vaters weiter. Er ist mittlerweile verantwortlich für die Domaine Philippe Naddef und prägt auch diese Weine maßgeblich.
Weinberg & Keller
Nach Michels Anschauung entsteht der Wein größtenteils im Weinberg. Er verzichtet auf Herbizide und chemische Dünger, begrünt die Zeilen, pflügt mehrmals im Jahr und greift nur zu Biocontrol-Präparaten. Eine zertifizierte Bio-Auslobung trägt das Label nicht, die Arbeitsweise zielt aber klar in diese Richtung. Laubarbeit von Hand und Grünlese steuern Ertrag und Reife. Sein Team liest ausschließlich von Hand, transportiert die Trauben gekühlt und sortiert sie noch einmal im Weingut. Im Keller passt Michel jede Partie an Jahrgang und Lage an, von der Entrappung über die Extraktion bis zur Dauer der Gärung. Der Ausbau erfolgt in Fässern der Tonnellerie Rousseau in Gevrey, 228 und 500 Liter groß, der Anteil neuen Holzes steigt mit der Qualitätsstufe. Auf Schönung und Filtration verzichtet er gänzlich. So bleiben die Weine durchlässig für ihre Herkunft und zeigen jung wie gereift ein klares Profil.
| Name | Michel Naddef |
|---|---|
| Winzer | Michel Naddef |
| Ort | Fixin |
| Bewirtschaftung | naturnah |
| Gären | spontane Gärung |
| Ausbau | ausgedehntes Hefelager, Verzicht auf Filtration und Schönung |
| Lagerung | große gebrauchte Holzfässer, neue und gebrauchte Barriques |
| Produktion | 2.000 Flaschen |